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Samstag,4.07.09
Roompot 0 SM
Unser Enkel mit seinen Eltern ist angekommen. Große Wiedersehensfreude am späten Abend. Enkel Jason kennt uns noch und nachdem die Schlafplatzverteilung geregelt ist (das mitgebrachte Reisebett passt nirgends), der Kleine im Bett ist, sitzen wir noch bis nach Mitternacht im Cockpit.
Sonntag,5.07.09
Roompot 0 SM
Der Besuch hat schlecht geschlafen. Ungewohnte Geräusche, Möwengeschrei, enge Kojen. Heute geht es an den Strand. Im Watt patschen und im Sand spielen, das reicht dem Kleinen schon. Hinter der Marina beginnt ein Bungalowpark mit Freizeitzentrum, Supermarkt, Pizzeria und Cafe. Viele Familien mit kleinen Kindern machen hier Urlaub. Der Strand ist ideal dafür. Hans und Marco machen noch einen Schlauchbootausflug und so geht der Tag schnell vorbei.
Montag,6.07.09
Oosterschelde 20 SM
Alle haben gut geschlafen. Heute wird gesegelt auf der Oosterschelde. Die Oosterschelde ist durch ein Sturmwehr von der Nordsee getrennt, hat aber auch Ebbe und Flut, da der Kontakt zur See erhalten geblieben ist.
Für eine Stunde zieht eine Gewitterfront durch, danach kommt die Sonne wieder raus. Klein Jason verschläft den ersten Teil. Nach fünf Stunden laufen wir wieder im Hafen ein und suchen uns einen besseren Liegeplatz. Vorher waren wir am äußeren Steg, mit dem weitesten Weg.
Abends stärken wir uns mit Pfannkuchen und sitzen wieder lange im Cockpit.Dienstag, 7.07.09
Roompot 0 SM
Es regnet. Mittags ist Abreise. Abschied für länger- da wird die Erinnerung an Oma und Opa verblassen. Schon schwer! Es war anstrengend, weil der kleine Mann ständig beaufsichtigt werden muss, aber schön. Ein paar blaue Flecke und eine Schürfwunde im Gesicht hat es aber doch gegeben.
Aufräumen, Saugen, zwei Maschinen Wäsche, Törnvorbereitung. Morgen wollen wir bis Nieuweport (Belgien) kommen und müssen früh aufstehen. Für das nächste Wochenende haben sich Sonja und Jörg angekündigt, vielleicht schaffen wir vorher noch ein paar liegengebliebene Arbeiten. Teakfugen erneuern, Rost entfernen etc..
Mittwoch, 8.07.09
Roompot 0 SM
4.00 Uhr aufstehen. Lage peilen. Es kachelt mit 5-6 Windstärken, zeitweilig bis 7. Da verschwinden wir noch mal in die Kojen und legen einen Erholungstag ein.
Donnerstag, 9.07.09
Roompot (NL) – Oostende (B) 52,9 SM
13,36 Std.
5.00 Uhr aufstehen. Schleusen in die Nordsee. Der Wind kommt mal wieder von vorn, also aufkreuzen und mit Lage am Wind segeln. Es steht noch hohe Welle vom gestrigen Starkwind. Mal wieder unangenehm. An der belgischen Küste entlang, Zeebrugge mit seinen hässlichen Wohnbunkern, Blankenberge und laufen dann in Oostende ein, weil es schon spät ist. War keine gute Idee – absolut hässlicher Industriehafen. Der Yachthafen mit dem hochtrabenden Namen RYCO (Royal Yacht Club Oostende) liegt mitten zwischen Baggern, Förderbändern und Sandhaufen. Laut, schmutzig und außer dem alten Clubgebäude nichts Schönes zu entdecken.
Freitag, 10.07.09
Oostende – Nieuwepoort (B) 18,1 SM 4,20 Std.
In Oostende ist kein Hafenmeister anwesend, der Club ist nicht geöffnet, eine Letterbox sehe ich auch nirgends, keiner will unser Liegegeld. Nachdem ich drei Mal umsonst gelaufen bin, fahren wir ab ohne zu bezahlen. Außer dem Poller zum Anlegen haben wir ja auch nichts benutzt, kein Strom, kein Wasser und sind erst spät reingekommen – so ist unser Gewissen nicht allzu schlecht.
Um 16.00 Uhr erreichen wir Nieuwepoort. Sehr schöner Hafen, freundliche Leute. Der Stegnachbar versorgt uns mit Tips für französische Häfen.
Sonja und Jörg treffen erst nach 22.00 Uhr ein. Vorbildlich mit nur einer Reisetasche. Nach dem ersten Schnelldurchlauf stellen die beiden fest, dass sie sich unser Zuhause größer vorgestellt haben. Vor allem die Gästekoje entspricht nicht gerade einer Luxussuite, sondern eher einem Jugendherbergsetagenbett mit Spind. Tja, das Leben auf dem Boot ist eng. Mir fällt dazu noch ein, dass unser Vorsegel mit 58 qm immerhin die Größe der Wiesbadener Wohnung hat.
Spätes Essen und ab in die Kojen.Samstag, 11.07.09
Nieuwepoort 0 SM
Diesig und trübe. Wir fahren zum Supermarkt, anschließend zum Strand . Leider fängt es an zu regnen und so endet der kurze Ausflug mit nassen Kleidern. Segelwetter ist auch nicht gerade und Hans hat Rückenschmerzen. So verbringen wir den Rest des Tages auf dem Boot. Abends noch ein schöner Spaziergang durch das Naturschutzgebiet zum Strand.
Sonntag, 12.07.09
Nieuwepoort 0 SM
Bis Mittag wieder trübe und feucht. Sonja und Jörg beschließen im Bad shoppen zu gehen. Zu spät erfahren wir, dass hier eine schöne Altstadt ist, da waren wir leider in der falschen Richtung unterwegs. Die Sonne kommt noch raus, aber da die beiden gegen 17.00 Uhr fahren wollen (500 km Heimweg) ist nur noch wenig Zeit in der Sonne zu sitzen. Das Segeln verschieben wir auch, bis die beiden uns in Portugal besuchen. Schönes Wochenende. Bisschen zu kurz für die weite Anfahrt, aber Jörg ist es nicht gelungen Urlaub zu nehmen.
Betten abziehen, Waschen, aufräumen, ein bisschen lesen, weitere Route planen.Montag, 13.07.09
Nieuwepoort – Dunkerque (F) 21,4 SM 4,53 Std.
Dunkerque früh erreicht. Hier fühlt man sich zum ersten Mal wie im Ausland. Niemand spricht Deutsch. Hässlicher Hafen und beim Stadtbummel konnten wir auch nicht viel Ansprechendes entdecken. Schnell weiter!
Dienstag, 14,07.09
Dunkerque – Boulogne Sur Mer 53,7 SM
12,27 Std.
Viel motort, Wind von vorn. Motorprobleme- direkt in der Hafeneinfahrt geht nichts mehr. Hans behält die Ruhe, ich sehe uns schon am Strand auflaufen. Die Überlegungen gehen von – mit Beiboot und Außenborder ins Hafenvorbecken schleppen, unter Segeln einlaufen, den Anker werfen oder um Hilfe bitten. Hans tauscht zunächst den wenige Tage alten Vorfilter aus. Läuft wieder! Puh! Hitzewelle! Jetzt muss ein Mechaniker her. So fahre ich keinen Meter mehr.
Mittwoch, 15.07.09
Boulogne Sur Mer 0 SM
Zwangspause. Der Hafenmeister hilft weiter und telefoniert nach einem Monteur. Der angekündigte Mr Brouttier für l apres-midi (Nachmittag) erscheint leider nicht. Morgen ein neuer Versuch.
Donnerstag, 16. 07.09
Boulogne Sur Mer 0 SM
Noch Mal beim Hafenmeister. Der telefoniert mit der erneuten Zusage für l apres-midi. Wieder warten. Ich entferne Rost und streiche, Hans hockt im Motorraum. Es wird Abend und wir geben die Hoffnung auf, dass der Monteur noch kommt. Vielleicht hätte ich fragen sollen an welchem Tag l ápres-midi!!
Freitag, 17.07.09
Boulogne sur Mer 0 SM
Gestern haben wir Jeff und Abigail kennengelernt. Jeff organisiert uns bevor er arbeiten geht einen Mechaniker. Der kommt sofort mit und klärt unsere Probleme. Glücklicherweise spricht er gut Englisch. Der Tank muss komplett abgesaugt und gereinigt werden. Durch die teilweise heftigen Nordseewellen hat sich der untenliegende Schlamm mit dem Diesel vermischt und verstopft ständig den Filter. Also das, was wir schon vermutet hatten. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 650,- € plus ca. 270 l noch vorhandenem Diesel. Das tut unserer Bordkasse wieder weh! Am Dienstag und Mittwoch kommt die Firma Nicoletta mit einer Maschine zum Steg und saugt alles ab. Ohne die Hilfe von Jeff hätten wir diese Firma nie gefunden. In dem Gewerbegebiet hinter dem Hafen sind viele Firmen, die mit Booten zu tun haben, aber Firmenschilder gibt es meist keine, oder nur welche, die nichts über die Tätigkeit des Betriebes aussagen.
Jeff und Abigail leben hier im Hafen auf Jeffs kleinem Boot von 8,50 m. Jeff ist Ire, Weltenbummler, arbeitet mit Holz, renoviert defekte Holzboote und macht auch Überführungstörns. Abigail ist Französin, hat ein Jahr in Deutschland studiert und arbeitet als Übersetzerin. Die beiden renovieren zusammen Abigails Holzboot Bj. 1954, das sie für 1500.-€ gekauft hat („nicht mehr bezahlen als der Motor wert ist“ sagt Jeff), und das in einem sehr desolaten Zustand ist. Nächstes Jahr im Sommer soll alles fertig sein.
Für ihre Hilfe laden wir die beiden abends zum Essen zu uns ein. Ein lustiger Abend mit einem Sprachengemisch aus Englisch, Französisch und Deutsch.
Samstag, 18.07.09
Boulogne sur Mer 0 SM
Markttag. Unglaublich, was hier so alles gegessen wird. Das tut mir als Aquarianer immer weh, wenn ich Hummer und große Krabben auf den Fischtheken noch leben und sich zu Tode schleimen sehe.
Nach dem Gemüseeinkauf streiche ich ein weiteres Stück Teak und bearbeite einige Roststellen an der Steuersäule.
Nachmittags helfe ich Abigail an ihrem Boot beim Streichen des Unterwasserschiffs. Das Innenleben ist völlig ausgeräumt und ich sehe noch ganz viel Arbeit. Ob das zu schaffen ist? Ich hoffe, dass wir in Kontakt bleiben und wie heißt der schöne Spruch—Man sieht sich immer zweimal im Leben.
Seit vierzehn Tagen haben wir heute mal wieder Internet. Abigail hat uns ihre Benutzerkennung gegeben. Freie Hot Spots findet man hier nur sehr selten, die Gebühren sind teilweise unverschämt (5 € pro Stunde war bis jetzt das frechste). Vielen Dank für eure e-mails und die gedankliche Unterstützung aus der Heimat. Auch Mary und Udo von der Dreizack, die wir in Radern und auf Norderney getroffen haben, verfolgen nach ihrem Urlaub unseren Weg. Wie schon gesagt--- Gästebuch folgt.Sonntag, 19.07.09
Boulogne-Sur-Mer 0 SM
Wir sind beim Stegnachbarn zum Kaffee eingeladen. Er möchte etwas wieder gutmachen, da er die von uns entliehene Eisensäge hat ins Wasser fallen lassen. Unkompliziert bekommt jeder eine Plastiktasse und ein Beutelchen mit Pulverkaffee und Zucker. Der Skipper übersetzt unser Englisch für seine Frau und zwei weitere Gäste ins Französische – dauert immer etwas, aber geht irgendwie. Anschließend „Visite“ bei uns. Die Männer begutachten begeistert den Motorraum, die Frauen interessieren sich für die vielen Stauräume und unsere Waschtonne. Beide Männer träumen auch von "großer Fahrt".
Montag, 20.07.09
Boulogne-Sur-Mer 0 SM
Abends spreche ich mit Madame Danielle, die hier im Hafen lebt. Sie wohnt mit drei Hunden in einem kleinen abgemeldeten Auto auf dem Hafenparkplatz und bettelt tagsüber auf der Hafenbrücke. Sie spricht nur Französisch und ich verstehe leider nur einen kleinen Teil von dem, was sie mir erzählt. Aber Jeff hatte mir schon einige Informationen gegeben. Ihren Lebensunterhalt hat sie früher als Prostituierte bestritten, ist jetzt an die fünfzig Jahre alt, hat keine Familie und keine Kinder. Ihre Lebenssituation beschreibt sie als „malheur“(Unglück) und über ihre Zukunft meint sie, dass sie auf der Brücke sterben wird. Im letzten sehr kalten Winter hat Jeff ihr geholfen – eine Ecke in seiner Werkstatt zur Verfügung gestellt und dafür gesorgt, dass sie die Sanitärräume im Hafen benutzen kann. Die staatliche Hilfe, in Form einer Sozialwohnung (bzw. Zimmer) will sie nicht in Anspruch nehmen. Ein schweres Leben ohne Perspektive. Ich wollte nicht indiskret sein und Madame Danielle fotografieren, aber von ihrem Wohnauto durfte ich ein Foto machen. Durch Madame ist die Idee entstanden menschliche Schicksale zum Themenpunkt im Logbuch zu machen. Passt ja auch zum Schiffsnamen Destiny = Schicksal. Ich bringe ihr jeden Tag etwas vorbei – Kuchen, Baguette, Hundefutter, Haushaltstücher etc.
Dienstag, 21.07.09
Boulogne-Sur-Mer 0 SM
Unsere beiden Mechaniker sind da. Bis nachmittags um fünf wird abgesaugt, mühselig Schlamm entfernt, ein stark riechendes Reinigungsmittel versprüht und Diesel wieder eingefüllt. Auf dem Boden des Tanks liegt ein abgebrochenes Rohr mit Sieb, von dem wir noch nicht genau wissen, wo es hingehört. Jetzt brauchen wir noch einige Filter für Restschmutz im Diesel, dann ist hoffentlich alles wieder ok.
Der Chef kommt abends zum Kassieren und weil alles so gut geklappt hat (veranschlagt waren zwei Tage) lässt er noch 100 € nach, also nur noch 550 € !
Mittwoch, 22.07.09
Boulogne-Sur-Mer 0 SM
Auf Filtersuche und der Wind kommt von vorn, also bleiben wir noch und lernen fleißig Französisch. Hans findet die Filter im Autozubehör zum günstigen Preis von 5,30 € (im Yachthandel haben wir zuletzt 11,90 € bezahlt). Das Problem ist schon mal gelöst. Jetzt haben wir noch das Problem Gasflasche. Tauschflaschen gibt es nirgends. Zwei nette Stegnachbarn fahren mich zur Tankstelle und zum Campingbedarf, aber wir werden nicht fündig. Also wahrscheinlich neu kaufen plus Adapter, sonst bleibt die Küche bald kalt.
Was uns noch aufgefallen ist :