Norderney

norderney

Norderney

Hafen

Vor Norderney

Stadthafen

Bikertreff vor unserem Boot

Ganz in weiß

Nebel

großer Hafen

Schleudergang

Marco mit Enkelsohn Jason

Am Sandstrand

Mittwoch,24.06.09

Norderney 0 SM

Heute brauchen wir einen Hafentag. Wir haben beide Muskelkater vom ständigen Gleichgewicht halten, das Ruder erfordert viel Kraft und meine beiden Wäschebeutel sind auch voll.

Nachdem die Arbeit getan ist, fahre ich mit dem Bordrad ins Zentrum. Ich bin vor ca. 20 Jahren mit den Kindern einmal hier auf einem Campingplatz gewesen, aber in der City kommt mir nichts mehr bekannt vor. Jedenfalls sind viele kleine Geschäfte verschwunden – stattdessen gibt es auch hier jetzt KIK, Schlecker und CO. Da es sonst nicht viel zu berichten gibt heute mal etwas zum Thema "Papa, wo ist das Wasser?" und zwar in der Kurzfassung für Kinder (entnommen aus dem Norderneyer Veranstaltungskalender)

---Ob das Wasser da ist oder nicht, hängt hauptsächlich vom Mond ab. Der zieht das Wasser mit seiner Anziehungskraft an. Auch die Erde hat eine Anziehungskraft, das ist die Kraft, die dafür sorgt, dass du und alle anderen hier auf der Erde festgehalten werden und auch die Kinder auf der anderen Seite der Erde nicht einfach herunterfallen. Und da der Mond kleiner ist als die Erde, kann er das Wasser zwar anziehen, aber die Anziehungskraft der größeren Erde sorgt dafür, dass das Wasser nicht wegfliegt. Und natürlich ist die Anziehungskraft des Mondes immer an dem Ort auf der Erde am größten, der dem Mond am nächsten ist. Und da die Erde sich um sich selbst dreht, wird das Wasser bzw. die Flut vom Mond um die Erde gezogen. Und so sorgt der Mond dafür, dass auf der ganzen Erde mal die einen und mal die anderen Kinder im Meer baden können. Ist doch gerecht. Oder?-----


Donnerstag,25.06.09

Norderney-Harlingen (NL) 125 SM

Geplant ist um 6.00 Uhr morgens mit der Ebbe auszulaufen nach Borkum. Der Wind steht gut mit ENE (Ost-Nord Ost),5-6 Beaufort, sonniges Wetter. So verwerfen wir unser ursprüngliches Ziel Borkum und planen eine Nachtfahrt ein, soweit wir kommen. Kurz nach dem Auslaufen sitzen wir erst mal auf einer Sandbank fest. Der Segler vor uns hat diese Stelle problemlos passiert, aber unser Tiefgang.... Nipptide, anstatt um 6.00 erst um 7.00 los und das Navigationsprogramm zeigt auch gerade nicht richtig an. Erst eine Stunde später kommen wir mit steigendem Wasser wieder frei. Da fehlte doch die Handbreit Wasser unterm Kiel. Leider haben wir wieder eine starke Rollbewegung, was wieder ungemütliches Segeln bedeutet. Unter Deck findet nur das Notwendigste statt, man kann sich kaum halten. Hans schafft es zwischendurch eine Hühnerbouillon aufzugießen, dazu trockenes Brot, viel mehr gibt es heute nicht. Gegen Abend geht es mir wieder schlechter. Hans übernimmt die erste Wache von 0.00-4.00 Uhr. Ich krieche um 22.00 Uhr in die Koje, keile mich mit zwei Seitenschläferkissen ein, werde aber ständig hin und her gerollt und kann nicht schlafen. Zusätzlich kündigt sich ein Migräneanfall an. Als meine Wache um 4.00 Uhr beginnt bin ich nicht fit genug und so kann Hans nur eine gute Stunde in der Seekoje schlafen. Wir laufen an den Inseln Borkum, Schiermonnikoog, Ameland und Terschelling vorbei und haben als Ziel Harlingen ausgewählt.


Freitag, 26.06.09

Harlingen (NL), 0 SM

Um 11.00 Uhr laufen wir nach ewig langer Ansteuerung in Harlingen ein und machen im Stadtkanal hinter der Hebebrücke fest. Zuerst Gassi gehen mit dem Hund, der auch eine schlaflose Nacht verbracht hat und dann schnell in die Koje.

Nachmittags haben wir ein bisschen Schlaf nachgeholt. Klaren das Schiff auf, kurzer Stadtbummel, Essen, Duschen. Wir liegen mitten in der Stadt, die Fußgängerzone ist gleich um die Ecke, Restaurants direkt am Liegeplatz, so wie man es von Holland gewohnt ist. Immer wieder schön. Sehen und gesehen werden. Kleine urige Häuschen mit Sitzbänken, eingerahmt von Kletterrosen und Bauernblumen direkt davor.


Samstag, 27.06.09

Harlingen (NL) 0 SM

Friseur, Yachtbedarf, Einkaufsbummel, kleine Reparaturen und der Tag ist wieder um. Sonnig und warm.


Sonntag, 28.06.09

Harlingen (NL)

 Beim Rausholen unserer Sommerbettdecken entdecke ich im Stauraum unter der Achterkoje Wasser! Wasser im Schiff ist immer Alarmstufe rot. Trockenlegen und nach der Ursache forschen. Das Ruderlager hat wohl Wasser gemacht, wir vermuten, dass der Schmiernippel länger kein Fett gesehen hat, da die Schlauchzuführung nicht mehr dicht ist. Eine Stunde später hat Hans alles repariert, einräumen, Wasser bunkern und los geht`s mit Verspätung.

Heute sind nur 2-3 Windstärken und so tummeln sich viele Segler draußen. Bei dem Wind trauen sich alle raus. Sonntagssegeln! Vorbei am Ijsselmeerdeich nach Texel, wo wir eigentlich den Hafen Oudeschild anlaufen wollten. Aber durch unser zu spätes Ablegen und den schwachen Wind ist jetzt schon Niedrigwasser und die Wassertiefe im Hafenbecken nur noch mit 2,10 m angegeben. Das wollen wir mit unseren 2,20 m Tiefgang nicht riskieren. Schade, von Texel hätte ich gerne mehr wie die Küstenlinie gesehen. Im Industriehafen versuchen wir es noch, aber das Anlegen ist dort verboten.

Heute ist der Tag der Insekten. Hunderte kleiner Fliegen überfallen uns, kriechen in Mund, Nase und Ohren. Aandora bemüht sich alle zu fressen, aber der Gegner ist in der Überzahl. Vielleicht sollten wir als zweites Haustier ein Chamaeleon zum Fliegenfangen mitnehmen, da wäre dann auch das Gassi gehen problemloser. Wir erinnern uns an einen Segeltörn vor einigen Jahren mit Ulrike und Michael auf dem Ijsselmeer mit einer ähnlichen Insektenplage. Das Boot war schwarz übersät und später im Hafen Urk die Fenstersimse teilweise 10 cm hoch mit toten Fliegen bedeckt.

Wir laufen weiter an der nordholländischen Küste hinunter.


Montag, 29.06.09

Harlingen-Ijmuiden 73 SM /17 Stunden

Nachtfahrt. Ich übernehme die erste Wache. Alles ist friedlich, kaum Welle, weit und breit nur Wasser, an Steuerbord scheint der Halbmond und spiegelt sich in der See, die Gischt vom Bug endet in phosphoreszierenden Streifen. Es ist noch relativ warm. Ich mache es mir mit Kissen, Decke und Mops im Cockpit gemütlich und schaue alle paar Minuten rundum. Der Autopilot läuft mit Kurs 210°. Von meinem Platz aus sehe ich den kleinen Bord-PC mit dem Navigationsprogramm. Müde bin ich nicht. Eine Wohlfühlnacht.

Wachablösung gegen 2.00 Uhr. Als ich um 5.00 aus der Freiwache komme, sitzt Hans mit offener Sprayhood im Cockpit. Nebel, keine 20 m Sichtweite. Alles ist feucht und klamm. Hier gibt es unbeleuchtete Öltürme und diverse Sperrgebiete. Kurz vor einer Sperrzone, werden wir von einem Boot aus mit Scheinwerfern angeleuchtet. Machen wir uns besser schnell weg. Der nächstgelegene Hafen ist Ijmuiden- Ausgang Nordseekanal. Nachts bei Nebel in einen fremden Hafen einlaufen, sollte man eigentlich erst, wenn man sonst schon alles hinter sich hat und das normale Segeln langweilig geworden ist. Nach einer Irrfahrt durch den Hafen, der sehr verzweigt ist und nachdem zwei dicke Pötte wie aus dem Nichts vor uns auftauchen, machen wir einfach an einem Wassertaxi Anleger fest und warten bis der Nebel sich lichtet oder wir vertrieben werden. Sicherheit geht vor. Hans geht schlafen. Ich schreibe und halte die Stellung. Um kurz nach 10.00 ein Hupkonzert, das Wassertaxi möchte an seinen Liegeplatz. In Windeseile fällt Hans aus der Seekoje, wir legen ab und verholen uns bei immer noch schlechter Sicht in den Yachthafen, den wir vorher verpasst haben.

Riesiger neuer Hafen mit 650 Liegeplätzen, der nichts mehr mit holländischer Gemütlichkeit zu tun hat. Der Weg zum Hafengebäude ist endlos, alles wird elektronisch geregelt, sogar die Hafengebühr, die Stege abgeschlossen, anonym, der kleine Supermarkt schlecht bestückt und mit astronomischen Preisen. Nicht unser Ding hier!


Dienstag,30.06.09

Ijmuiden-Scheveningen  31,8 SM  6,13 Std

11.00 Uhr ablegen. Ablegemanöver heute gut verlaufen (Frauen ans Ruder!). Ohne Probleme vom Steg gekommen, zugegeben – es ist wenig Wind und kein Schiff im Weg.

Schöner Segeltag. Wind fast aus der richtigen Richtung, ein paar mal aufkreuzen bei 3-4 Windstärken, dann stimmt der Kurs. Der Autopilot übernimmt.

Ab sofort haben wir eine fast kostenlose Waschmaschine an Bord. Unsere alte 30 l Aquarienwassertonne zu ¾ mit Wäsche und Wasser gefüllt, arbeitet mit dem Wellengang. Ausspülen, Auswringen, Aufhängen. Fertig. Wie zu Oma´s Zeiten.

Der Hafen Scheveningen ist noch hässlicher, wie der in Ijmuiden. Von der belgischen Küste haben wir das ja schon gehört, aber hier haben wir das nicht erwartet. Müll überall, hohe, hässliche Gebäude rundherum. Mal schauen, ob das so weitergeht.

Das Anlegemanöver ist schwierig, weil ein herbeigeeilter Stegnachbar mitsamt unserem ausgerauschten Festmacher auf den Steg fällt und natürlich gerade Wind aufkommt. Der zweite Versuch, jetzt rückwärts, klappt auch nicht, das Schiff lässt sich in Rückwärtsfahrt mit wenig Geschwindigkeit zu schlecht steuern. Im dritten Versuch passt es dann. Immer wieder aufregend so ein Anlegenanöver. Häufig zu sehen, ein laut werdender Skipper, der seine Partnerin anbrüllt, nach dem Motto "wie vermiese ich meiner Frau das Segeln". In Holland sieht man beim An- und Ablegen oft die Frauen am Ruder stehen, da geht es dann gelassener zu.


Mittwoch,1.07.09

Scheveningen-Stellendam (NL) 35 SM 
6,30 Std.

Baumarkt, Supermarkt mit Rolli und zwei Rucksäcken, Verstauen, Ablegen. Ruhiger Segeltag. Windstärke 3-4, sonnig. Im Fahrradfahrertempo segeln wir die holländische Küste runter. Ich lege jetzt immer alles bereit, damit ich nicht zu oft nach unten muss. Wasser, Brote und vor allem Bananen (die schmecken rauf wie runter!). Aber die Seebeine sind jetzt wohl standfester. Keine Probleme mehr gehabt.

Wir durchqueren heute das Verkehrstrennungsgebiet vor Hoek van Holland, Ausgangsweg für Rotterdam. Dieses Gebiet ist radarüberwacht, darf von der Sportschifffahrt nur rechtwinklig durchfahren werden, der Motor muss laufen und die Passage muss über Funk auf Kanal 03 angemeldet werden.

Funkspruch: „This is sailing vessel Destiny. We want to cross the channel. My position is ........over ".  Answer: "Destiny, you can go ahead, please stand by on channel 03 all the time, over and out".

Auf dieser Wasserstrasse laufen die großen Schiffe von und nach Rotterdam dicht an dicht.

Abends in Stellendam im alten Fischereihafen vor der Schleuse festgemacht. Kostenlos!

Lecker Essen gibt es heute. Pil-Pil mit Garnelen vom Scheveninger Fischmarkt.


Donnerstag, 2.07.09

Stellendam-Roompot (NL) 36,3 SM  9,29 Std.

Früh abgelegt, wenig Wind bis gar keiner, so wenig, dass wir gegen den Strom nur noch einen Knoten Fahrt machen. Also Motor an zur Unterstützung. Auf halber Strecke gibt der Jockel den Geist auf. Ursachenforschung mit Hilfe des Buches Dieselmotoren/Simpson. Feinfilter ausgetauscht, entlüftet- läuft wieder. Gut, dass der Ausfall nicht im Hafen oder in der Schleuse passiert ist. So lernt man mit jedem Problemchen dazu – oder um es mit dem Autor Simpson zu sagen „Wenn Sie noch nie in die Betriebsanleitung geschaut haben, jetzt wird es Zeit dafür“.

Abends gehen wir durch die Schleuse in die Oosterschelde in den Hafen Roompot. Sehr schön hier, Strand rundherum, klein und gemütlich. Marco mit Janina und Enkel Jason kündigen sich für Samstag auf ein verlängertes Wochenende an. Da können wir dann mit Jason große Sandburgen bauen und Muscheln sammeln.

Heute haben wir nach längerer Zeit mal wieder Internetanschluss. An dieser Stelle erst einmal vielen Dank für die vielen E-mails. Leider können wir nicht alle einzeln beantworten. Gästebuch wird demnächst eingerichtet.


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© Hans Lichtenberg