|
|
Freitag, 2.10.09
Povoa 0 SM
Bei Antonio Tomane (der Mann für alles in der Marina mit einem kleinen Yachthandel und Reparaturservice) unsere Schulden bezahlt für eine neue Ankerkralle und Wasserschlauch. Antonio erkundigt sich, ob der Generator wieder läuft (die Reparatur hatte er vermittelt) und als er hört, dass das nicht ganz perfekt gelaufen ist, zahlt er mir den Rechnungsbetrag wieder aus. Das will er nicht auf sich sitzen lassen. Er telefoniert mit der Werkstatt, schimpft kräftig auf portugiesisch, entschuldigt sich vielmals bei mir und schenkt mir noch die Weltkarte, die ich ihm eigentlich abkaufen wollte! Jede Buchhandlung in Porto und Povoa habe ich vergeblich nach so einer laminierten Karte abgeklappert. Da freue ich mich und wir nehmen uns vor, noch irgendein Ausrüstungsteil bei ihm zu kaufen.
Abends futtert Stegnachbar Dirk bei uns Spaghetti und Möhrensalat wie bei Muttern! Heute beschränken wir uns auf eine Flasche Rotwein, damit es uns morgen besser geht wie heute früh.
Sonntag, 4.10.09
Povoa 0 SM
Seit gestern Regen. Ich sitze im Cockpit und lese "Ich bin dann mal weg- Meine Reise auf dem Jakobsweg" von Hape Kerkeling. Das Buch, entliehen von Dirk, hätte ich mir freiwillig nicht gekauft, ist aber sehr interessant geschrieben mit dem Hape eigenen Humor.
Montag, 5.10.09
Povoa 0 SM
Dauerregen. Meine am Samstag geschliffenen Roststellen haben schon wieder Flugrost angesetzt, weil ich nicht zum Grundieren gekommen bin. Jetzt warte ich doch auf besseres Wetter.
Eigentlich wollen sich heute die Mannschaften von zwei Stegen zum Grillen treffen – mal sehen was daraus wird. – Fällt aus wegen Regen. Es bläst mit 6-7 Windstärken. Alle Boote rucken an den Leinen. Ungemütlich heute und mein Zahn Nr.7 macht wieder Ärger. Hans hat einen Flug in die alte Heimat gebucht. Es sind einige geschäftliche Dinge zu regeln, die persönliche Anwesenheit erfordern. Donnerstag Abflug von Porto. Ich bleibe dann für zehn Tage als Besatzung allein zurück.Dienstag, 6.10.09
Povoa 0 SM
Zum Kaffee bei Susanne und Martin am zweiten Gastliegersteg. Zusammen mit Dirk flitzen wir um 15.00 Uhr mit zwei großen Regenschirmen rüber auf die Bavaria. Bei griechischem Salat, Plätzchen, Kaffee und Wein ist der Nachmittag schnell um und wir wieder um ein paar Erfahrungen reicher – man muss ja nicht alle Fehler selbst machen. Die Fahrtensegler sind hier jetzt fast unter sich und Kontakte schnell geknüpft. Einige überwintern hier an Bord, andere lassen ihr Schiff hier liegen und fliegen zum Arbeiten in die Heimat (damit die Reise weitergehen kann) und die letzte Gruppe segelt mit uns weiter gen Süden.
Mittwoch, 7.10.09
Povoa 0 SM
Heute mal ein Beitrag zum Leben bzw. Schlafen an Bord. Ortszeit 23.00 Uhr. Windstärke 6-7 aus Süd, Regen, Brecher schießen über die Mole, im ganzen Hafen starker Schwell! Die "Destiny" hängt an fünf Festmacherleinen. Um 23.30 in der Koje. Ein bisschen lesen, dann fast 2 Stunden im Tiefschlaf. Geweckt durch die Nebelboje am Hafeneingang (die heult los sobald im Umkreis von 2 Meilen Nebelfelder auftauchen – 15 Sekunden Heulton, ähnlich der Feuersirenen bei uns, 15 Sekunden Pause und wieder von vorn, manchmal stundenlang). Kleine Wellen plätschern ununterbrochen am Rumpf, irgendetwas scheppert an der Außenwand, eine Festmacherleine quietscht ständig, das Boot rollt nach links, Schlag ins Ruder und wieder zurück nach rechts, die Schwimmstege ächzen, die Fender reiben an der Bordwand, nervtötendes Geklapper durch nicht abgespreizte Fallen an anderen Yachten, der Wind heult und der Skipper schnarcht friedlich. Bei der Geräuschkulisse stelle ich mir die berühmte Frage, die sich jeder Segler irgendwann stellt "Was mache ich hier eigentlich, warum tue ich mir das an?", aber das sind zum Glück ganz seltene Momente!
An Schlaf ist jedenfalls nicht mehr zu denken und mein Problemzahn meldet sich natürlich auch noch.
Nachmittags Zahnarzttermin. Nach der Antibiotikakur kommt der Zahn am Dienstag endgültig raus.Donnerstag, 8.10.09 – Samstag, 17.10.09
Povoa 0 SM
Hans fliegt um 8.30 Uhr von Porto nach Frankfurt Hahn. Ich werde mal sehen, wie ich mir die Zeit vertreibe.
Wäsche, Bootputz. Dirk kommt zum Essen. Fahrrad repariert und geölt. Roststellen entfernt. Zum Markt in Villa do Conde. Roststellen geprimert. Teak geschliffen und versiegelt. Gestrichen.
Am Samstag die Aktion Fahrrad im Wasser. Ich hatte das Rad nicht wie gewöhnlich am Stromkasten angelehnt, sondern frei stehen lassen. Nachmittags dann Starkwind und schon ist es passiert. Zum Glück hat Stegnachbar Dirk das Klapprad fallen sehen, sonst hätte ich vielleicht vermutet geklaut und es wäre keine Suchaktion zustande gekommen. Drei Stegnachbarn eilen zu Hilfe. Zuerst bastelt Peter aus Bootshaken, Spibaum und Bojenhaken eine lange Stange, da die Wassertiefe momentan über vier Meter beträgt. Sehen kann man nichts. Das Durchharken bringt nur Seetang hoch, aber kein Fahrrad. Nächster Versuch mit Dirks Anker, den wir immer wieder durch den Grund ziehen. Erfolglos. Inzwischen hat Dave seinen Taucheranzug angezogen und stürzt sich in das 20° kalte Wasser, findet das Fahrrad, hängt es an den Anker und Joane und ich ziehen die Beute nach oben. Dafür kommen die beiden am nächsten Tag zu Kaffee und Kuchen. Die Hilfsbereitschaft in dieser kleinen Seglergemeinde ist enorm.
Silke und Pete mit der Sparrow, die wir in Frankreich in L´Aberwrach kennengelernt haben, treffen gegen Abend ein und ein weiterer junger deutscher Einhandsegler. Ruben, Segelmacher, 22 Jahre, für ein Jahr auf Tour mit der 9,50 m Lida.
Am Sonntag verlässt Dirk die deutsche Front und macht sich auf den Weg nach Madeira.
Ansonsten Besuche und Gegenbesuche bei Silke und Pete auf der "Sparrow" und Susanne und Martin auf der "Raya".
Am Dienstag bin ich 50.-€ und einen Backenzahn los. Susanne lässt es sich nicht nehmen, mich zu begleiten und da ich naßgeschwitzt die Praxis verlasse, ist das auch gut so.
Donnerstag großer Abreisetag. Die "Sparrow" und die "Lida" legen gemeinsam um 15.00 Uhr ab nach Lissabon. Jetzt liege ich hier hinten sehr einsam am Steg.
Das Wetter ist die ganze Woche sehr schön. Morgens noch kalt , aber sobald die Sonne sich zeigt, wird es mittags noch bis 24°. Aus der alten Heimat höre ich schon was von gefrorenen Autoscheiben . Da bin ich ja froh, dass ich hier in der Sonne sitze.
Am Samstag ist mein Schatz wieder da und ich verwöhne ihn mit einem leckeren Spaghettigericht mit Bohnen und Knoblauch, das mir von Tennisfreund Jochen speziell für diesen Anlass per email empfohlen wurde.
Sonntag, 25.10.09
Povoa 0 SM
Im Sturmtief gefangen. Bis Ende der Woche gibt es kein akzeptables Wetter für die Überfahrt nach Madeira. Ist ja schön hier, aber wir kennen uns jetzt ohne Stadtplan aus und dann ist es eigentlich Zeit um weiter zu segeln. Seit Tagen ist es regnerisch und neblig, da lockt uns die Sonne in Madeira schon sehr, aber 600 SM gegenan zu kreuzen, das möchten wir dann doch nicht.
Was ist sonst so passiert in der letzten Woche--- meine Mutter hat letzten Sonntag ihren 82.ten Geburtstag gefeiert. Früh am Morgen habe ich aus dem fernen Portugal ein telefonisches Geburtstagsständchen gebracht. -- Die "Raya" von Susanne und Martin ist aus dem Wasser. Wir waren als Handlanger dabei. Die beiden leben jetzt auf dem "Bock", bis sie sich am Dienstag auf den Weg nach Indien machen und erst im April ihre Reise fortsetzen.
Den Sturm Mitte der letzten Woche haben wir gut überstanden. Vertäut an zehn Festmacherleinen hat es drei Nächte gequietscht, geklappert und gerollt, aber man ist ja froh am sicheren Steg zu liegen und nicht auf See zu sein. Verluste- einer unserer guten Festmacher hat sich leider durchgescheuert und ist jetzt zwei Meter kürzer geworden und zwei Fendersocken sind verloren gegangen. Die Marineros hier sind sehr aufmerksam, kontrollieren immer mal wieder die Leinen, ziehen was nach und verlegen unseren französischen Nachbarn in eine andere Box, damit nicht zwei schwere Boote den gleichen Steg belasten. Schade, wir hatten uns schon so an Celestine, die fast dreijährige kleine Tochter, die es schafft lauter wie die Heulboje zu schreien, gewöhnt.
Diverse kleine Arbeiten unter Deck sind erledigt: neues Funkgerät eingebaut-Kleiderhaken und Handtuchhalter angebracht- elektrische Kochplatten (die wir im Hafen benutzen) mit Halterung ausgestattet, damit sie auf den Gasherd passen- ein weiteres Stück Teak gefugt. Irgendwie wird die "To Do Liste" nie leer.
Donnerstag, 29.10.09
Povoa 0 SM
Am Wochenende soll es weitergehen. Ab Sonntag bläst der lang erwartete Nordwind wieder, der uns hoffentlich schnellstens bis nach Madeira bringt. Da die Wettervorhersage immer nur auf fünf Tage halbwegs genau ist, wissen wir natürlich nicht, wie es danach aussieht. Aus dem Norden zieht schon wieder ein Tief heran, es wird jetzt Zeit. Für die Überfahrt müssen wir ca. sieben Tage rechnen. Wir bringen das Boot auf Vordermann, kochen vor und ein (Karibik-Suppe und Curry Sahne Topf), backen Brot und zwei Maschinen Wäsche müssen noch fertig werden. Kosten für fast 6 Wochen Liegeplatz inklusive Nebenkosten (Strom, Wasser, Müll, Duschen...) 172,00 € !!!
Da wir das Festland Portugal jetzt verlassen, mal wieder etwas aus der Rubrik
"Was uns sonst noch aufgefallen ist":
Einige Leser haben vielleicht unser endlich eingerichtetes Gästebuch bereits bemerkt. Wer nicht öffentlich schreiben möchte, kann dies natürlich weiterhin unter unserer privaten email Adresse info@sy-destiny.de. Vielleicht gibt es ja auch Wünsche bezüglich der Berichterstattung, wobei es natürlich immer schwierig ist für ein gemischtes Publikum zu schreiben. Der Segler möchte vielleicht mehr Infos über Wind, Wetter und Etmale, der nächste mehr über Land und Leute oder vom Leben an Bord. Kritik und Lob ist jedenfalls beides erwünscht.
Bis nach Madeira melden wir uns dann mal ab.....