Freitag, 28.08.09

Biskayaüberquerung

 Um 11.00 Uhr legen wir ab. Erstmal sieben Stunden aufkreuzen gegen Wind und Welle. Zwei Schritte vor, einen zurück wie Hans immer sagt. Danach wird es besser und wir können den Kurs von 220° fast halten. Die Wellen sind zwei bis drei Meter hoch, aber je weiter wir rauskommen um so länger laufen sie. Das lässt sich aushalten. Ich habe meine Coccolus Globuli und Vitamin C in Überdosierung genommen und halte mich recht stabil, solange ich nicht runter gehe. Lasse ich mich auch mal bedienen! Habe gestern vorgekocht und Brot gebacken. Zu essen haben wir jedenfalls genug. Das Problem ist eher, etwas auf den schwankenden Herd zu bringen. Fällt bei dem Seegang heute aus. Sternenklare Nacht, aber stockdunkel. In meiner Wache von 0.00-4.00 Uhr eine unangenehme Begegnung mit einem Fischkutter, der ständig seinen Kurs ändert. Ich überlege schon unseren Scheinwerfer rauszuholen und den Skipper aus der Freiwache zu holen, da dreht er endlich ab. Gefahr vorüber.


Samstag, 29.08.09

Biskayaüberquerung 2. Tag

 Ab nachts um 4.00 Uhr Flaute. Motor an und schon rollen wir mal wieder kräftig hin und her. Angesagt waren eigentlich 3-4 Windstärken aus östlicher Richtung, stimmt mal wieder nicht. Mir ist den ganzen Tag übel. Mittags unsere ersten Delphine. Zehn bis zwölf Tiere begleiten uns über eine halbe Stunde lang. Tauchen unterm Bug her, schwimmen Formation, bis sie des Spiels müde sind und plötzlich alle verschwunden sind. Leider ist es mir nicht gelungen, ein akzeptables Foto zu machen, unsere Kamera löst einfach zu langsam aus. Das Erlebnis reißt mich ein bisschen aus meiner "mal de mer". Ich nehme dann eine Tablette aus der Apotheke, schlafe ein bisschen und dann wird es auch besser. Hans schafft es abends den Topf auf dem Herd zu halten, ohne dass der vorgekochte Eintopf sich in der Kombüse verteilt. Wir essen Bohneneintopf mit Baguette. Die Aktion gleicht einem Balanceakt, da man sich immer mit einer Hand an den Griffleisten festhalten muss. Auf See brauchte man eigentlich immer drei Hände. Ruhige Nacht. Halbmond und sternenklar.


Sonntag, 30.08.09

Biskayaüberquerung 3. Tag

 Kein Wind, strahlende Sonne. Die berühmt berüchtigte Biskaya hat sich für uns eine Auszeit genommen. Das finden wir zwar gut, aber eigentlich wollten wir ja segeln. Gut, dass der Tank voll ist mit günstigem Diesel, warten wir ab, ob der Wind uns noch mal einholt. Mittags segeln wir über die französisch-spanische Grenze und hissen die gelb rote spanische Gastlandflagge unter der Saling. Um 14.00 Uhr endlich wieder etwas Wind. Motor aus, himmlische Ruhe. Wir setzen alles was wir haben- Großsegel, Genua und Kutterfock und machen so wenigstens vier Knoten. Der erste Steuermann Aries (Windsteueranlage) übernimmt das Ruder. Nachts sehr windig, wir machen über sieben Knoten und reffen das Vorsegel. Kaum geschlafen.

Spanien die Kueste in Sicht

Die Küste kommt in Sicht


Montag, 31.08.09

Biskayaüberquerung - Ria de Ares  371 SM  79 Std

 Wieder viel motort. Um 17.00 Uhr werfen wir den Anker an der spanischen Küste in der Ankerbucht Ria de Ares in der Nähe von La Coruna. Strahlewetter, warm und laut unserer Yachtmen`s Bible ist "the ambiente peaceful and relaxed". Das stimmt. Sehr schöne Bucht. Die gefürchtete Biskaya liegt hinter uns. Sie hat sich vielfältig gezeigt. Winde aus allen Richtungen in Stärken von 0-6, Wellen von 0-3 m, Sonne und Dunst. Wir haben wenig geschlafen, wenig gegessen, einige blaue Flecken, kein Bruch, kleiner Schaden am Großsegel, die Wäschekörbe sind voll und alles ist salzverkrustet. Aufräumen, gründliche Körperpflege nach der Katzenwäsche die letzten Tage und früh in die Kojen.

StrandspaziergangMorgenstimmung in der Ankerbucht


Freitag, 4.09.09

Ria de Ares – Ria de Corme 44,2 SM  9,55 Std

 Früh geht es weiter. Der Wind soll heute zumindest richtungsmäßig passen. Welle 2-3 m, Windstärke 2-3. Wir machen zwischen 4-5 Knoten, das passt. Die Sonne scheint. Schöner Segeltag. Leider haben wir gestern unsere Ankerkralle (Entlastungssystem für die Ankerkette mit Ruckdämpfer) durch eine durchgescheuerte Leine auf dem Grund der Bucht in 8 m Tiefe versenkt. Hans weigert sich doch glatt danach zu tauchen und da ich ja bekanntlich den Kopf nicht unter Wasser stecke, bleibt sie dort liegen. Da basteln wir doch gleich wieder an einer provisorischen Lösung.

Es wird eine unschöne Nacht. Der Anker hält in dem verkrauteten Untergrund nicht gut und die Felsen in dieser kleinen Bucht sind nur 30 m entfernt. Wir gehen abwechselnd Ankerwache.

Samstag, 5.09.09

Ria de Ares- Ria de Camarinas  24,9 SM  4,23 Std

 Guter Wind von 5-6. Nette Bucht. Ankern vor einem kleinen Sandstand mit drei weiteren Booten. Ein Schwede, ein Franzose und ein Katamaran ohne Flagge.


Sonntag, 6.09.09

Ria de Camarinas – Cap Finisterre  25,5 SM  5,47 Std

 Unter Motor in die nächste Ankerbucht mit „Holländernavigation“ ( man fange einen Small Talk mit einem Holländer an, erkundigt sich nach seinem nächsten Ziel und bricht morgens gleichzeitig auf ). Wir folgen heute mal dem Schweden vom Ankerplatz der offensichtlich das gleiche Ziel hat. Sonne pur seit 8.00 Uhr. In der Bucht hinterm Cap begleitet uns wieder eine Delphingruppe. Diesmal gelingt es mir, mit der Kamera ein Video zu drehen. Faszinierende Tiere. Unser erster Ankerversuch in der Bucht Playa Langosteira scheitert. Beim Hochholen haben wir doch tatsächlich einen Hummerkorb am Anker. Leider keiner drin und so gibt es zum Abendessen nur Eier mit Senfsosse. Das Freimachen dauert, weil einige Leinen sich mit um den Anker gewickelt haben.

Fischerhafen


Montag, 7.09.09

Cap Finisterre  0 SM

Sonne, warm, Wassertemperatur 17,9°. Es gibt immer was zu sehen in der Bucht. Taucher, Glasbodenboote, Strandbesucher. Nettes Ambiente hier. Seit 10 Tagen haben wir keinen Hafen besucht und leben sparsam von unseren Vorräten. Wir müssten die Energieversorgung noch verbessern. Ein Solarpaneel mehr und einen Windgenerator der neueren Generation. Unser altes Gerät bringt nicht genug, macht aber viel Lärm. Um noch unabhängiger zu sein steht ganz oben auf der Wunschliste ein Watermaker (Gerät, das aus Seewasser Süßwasser herstellt, ca. 4000 €, Sponsoren gesucht!).

Nach der Siesta Großeinkauf im Ort Fisterrre mit dem Dinghi. Der Computer muss mit. Im Hafencafe findet sich ein freier Zugang und so können wir die neuesten Wetterdaten und e mails abrufen. Tennisfreund Jochen Heuberg hat uns mit politischen Neuigkeiten aus der alten Heimat versorgt. Es waren Kommunalwahlen und unser Bürgermeister Uli Hess hat die Wiederwahl geschafft, da zwei potentielle Wähler auf ihrer Segelyacht davongesegelt sind und ihre Stimme nicht abgegeben haben.

Der Ort selbst hat nicht viel zu bieten, ein paar nette Gassen, Hotels, Appartements, Viele Wandertouristen, die das Kap (auch bekannt als das Ende der alten Welt) erklimmen.

Abends zum Strand gepaddelt und an der Strandbar ein Bier getrunken.

Auf zur Strandbar


Dienstag, 8.09.09

Cap Finisterre – Portosin  24,5 SM  5,34 Std

Heute im Hafen. Das Wasser wird knapp und das Schiff muss dringend mal von der Salzkruste befreit werden. Es liegen doch tatsächlich noch zwei deutsche Boote am gleichen Steg. Gernot und Gaby mit ihrer „Seehund von Köln“ und Achim und Uwe aus Berlin mit einer Ovni (Aluboot). Wir treffen uns abends auf der Seehund zu einem Glas Wein und wie immer, wenn Segler unter sich sind, wird viel von Booten und Segelerlebnissen berichtet. Für Achim gab es vor zwei Jahren ein unvorstellbar schlimmes Erlebnis- auf einer karibischen Insel ist seine Frau vom Muschelsammeln nicht wiedergekommen und gilt seitdem als verschollen. Das Boot blieb dann dort liegen und erst jetzt war Achim emotional in der Lage mit Hilfe seines Freundes Uwe, das Boot in die Heimat zurückzusegeln.

Übermorgen gehen wir in die nächste Ankerbucht.

Samstag,12.09.09

Ensenada de San Francisco – Ensenada de Cordoba  20,5 SM  4,5 Std

Im dicken Nebel in die nächste Bucht. Heute waren wir nicht lange unterwegs, da arbeiten wir am Teakdeck weiter. Abkleben, Fugen, Abziehen und in 14 Tagen schleifen und streichen.

Meine Schwestern schicken eine SMS. Die drei trinken auf mein Wohl. Dieses Wochenende ist seit ein paar Jahren unser Schwestern-Wander-Wochenende. Diesmal ohne mich.


Sonntag,13.09.09

Cordoba – Bayona  32,3 SM  7,2 Std

Und wieder kein Wind bis Bayona Hafen nahe der portugiesischen Grenze. Kurzer Orientierungsbummel. Im Cafe gegenüber vom Hafen leisten wir uns zwei Cafe con leche a 1,25 € und gucken ein bisschen Tennis. Nadal gegen Del Potro. Teurer Hafen mit 32,86 €. Aber für morgen ist Starkwind angesagt, da machen in Portugal teilweise die Häfen zu. Das wollen wir nicht riskieren und bleiben dann bis zur Entwarnung hier.

Für den 22.ten September hat sich Tochter Sonja mit Freund Jörg für eine Woche in Porto angekündigt. Es sind jetzt noch 70 SM bis dahin, das werden wir wohl in einer Woche schaffen.

Montag, 14.09.09

Bayona  0 SM

Das Wetter :Warm, sonnig, nachts kühl. Heute Bummel durch die Altstadt. Einkauf beim Supermarkt, beim Fruitera und Panderia (Bäcker). An die in Spanien üblichen Siestazeiten müssen wir uns erst noch gewöhnen. Von 14.00 bis 17.00 Uhr ist fast alles geschlossen. Irgendwie gehen wir immer zu früh los.

Wie angesagt beginnt es um 17.00 Uhr zu blasen und morgen soll es noch mehr werden.

Von Silke und Piet hören wir, dass sie in Camaret sind, der Austauschmotor auch schon wieder den Geist aufgegeben hat und sie jetzt doch einen neuen Yanmar gekauft haben. Die beiden haben wirklich viel Pech und das große Loch in der Bordkasse verkürzt ja auch die Reise. Aber Piet ist ein Allrounder mit einer gut bestückten Werkstatt an Bord, vielleicht kann er die Reisekasse mit Arbeiten an anderen Booten wieder aufbessern.

Fruitera


Dienstag, 15.09.09

Bayona  0 SM

Es stürmt bei schönstem Sonnenschein. Unsere drei holländischen Nachbarn verholen sich an den nächsten Steg nach innen und drehen. Bei den offenen Cockpits bläst der Wind genau von hinten rein. Uns ist die Windrichtung egal, wir können unseren Wintergarten je nach Windrichtung auf und zu machen.

Ich mache allein noch einmal einen Bummel auf der Suche nach schönen Fotomotiven und kaufe am Fischmarkt Brot. Die Proben sind so lecker, dass ich zwei dicke Stücke mitnehme. Die nette Spanierin erklärt noch wortreich auf Spanisch, dass sie das Brot selber backt in "mia casa".

Zu Mittag kommt mein Einkauf natürlich sofort auf den Tisch. Maisbrot und Maisbrot mit Trauben und Walnüssen. Dazu Obst. Da wir nur noch so gesunde Sachen essen ist der Skipper schon ganz dünn geworden. Der Bauch ist weg. Döner und Currywurst Fritten gehören der Vergangenheit an.

Nachmittags noch mal Großeinkauf im Tauchershop. Ein Neoprenanzug mit Maske und Schnorchel ist dringend notwendig. Wir befürchten schon die ganze Zeit mal in ein Fischernetz zu geraten, das sich um die Schraube wickelt. In dem Fall hilft dann nur noch tauchen und die Schraube freischneiden und bei 18° Wassertemperatur...... Auch das Unterwasserschiff muss dringend inspiziert werden. Unser Speedometer hat schon vor längerer Zeit den Geist aufgegeben. Wahrscheinlich sitzt eine Muschel oder sonstiger Bewuchs auf dem Geber.

Der Mann lebt gesund


Spanien