Terrasse Einpacken
Enkelsohn Jason die ersten Kartons vom neuen Haus-Eigentümer
Palmengarten Frankfurt mit neuen Eigentümern Firmenwagen „Nun ist es endlich soweit, Auf die große Reise geht es nun, Fleiß und Mühe ist nun unsere besondere Pflicht, Unsere „Alten Chef`s“ kennen wir schon so lange, Viele Kunden kamen in all den Jahren, Und wenn Sie dann mal in der Sonne sitzen, Wir freuen uns auf ein Wiedersehen – |
Oktober 2008 Das Haus ist verkauft. Der Kaufvertrag ist unterschrieben. Räumungstermin ist der 31.03.09. Fange an zu räumen. Einige Kisten mit Fotos, Dias und Büchern kommen zu meiner Schwester in Hirschberg auf den Dachboden. Über unsere antiken Schränke freut sich unsere Tochter in Wiesbaden. Wohnzimmer, Schlafzimmer und Esszimmer nimmt unser Sohn Marco. Das einzige Problem ist der Übergabetermin. Marcos neue Wohnung wird voraussichtlich erst Anfang Mai frei. Das bedeutet zwischenlagern, zweimal umpacken und einen Monat im WoMo leben. Bis jetzt hat alles so reibungslos geklappt – vielleicht geht der Umzug auch noch zu einem früheren Termin. Hans hat beim Chinesen in seinem Glückskeks den Spruch „ Im nächsten Frühjahr wartet das Glück“. Das passt doch. Noch zwanzig Wochen Zeit unser Leben zu entrümpeln. Fast zwanzig Jahre haben wir in unserem Haus gelebt, da hat sich einiges angesammelt. Das zwölfteilige Gedeck, Deko, die Möbel von 145 qm Wohnfläche, Fernseher, Gartengeräte, Anzüge, Kostüme, Bücherwände voller Literatur, stapelweise Zeitschriften, Trockner, Waschmaschine und Gefrierschrank - nichts davon passt auf ein 12 m Boot. Das Leben wird einfacher, klarer, überschaubarer. Tageszeitung, Krankenhaustagegeld, ADAC und Mitgliedschaft im Tennisclub gekündigt. Dezember 2008 Die ersten Kisten sind gepackt. Diverse nützliche Dinge, wie Einweckgläser zum Einkochen, Mixer handbetrieben und eine alte Kaffeemühle von Kegelschwester Marlies organisiert – Abschiedsbesuch beim ehemaligen Briloner Kegelclub gemacht – die Mitarbeiter in der Firma werden bei einer kombinierten Betriebs- und Weihnachtsfeier informiert – die gesammelten Werke der Yacht- und Palstekzeitungen sind zerschnitten und interessante Artikel abgeheftet – ein Motorroller ist verkauft – das Büro zu Hause ist ausgeräumt – die ersten Einkochversuche „Kuchen im Glas“ sind gelungen –Rundumsanierung beim Zahnarzt ist abgeschlossen – im März folgt noch ein Crashkurs in Sachen „Zahnmedizin“. An dieser Stelle herzlichen Dank für diesen besonderen Einsatz der Zahnarztpraxis Dr. Brücher in Meschede. Die Anzahlung fürs Boot von Hans seiner Lebensversicherung ist überwiesen. Die Versicherung hat uns ärgerlicherweise fast 3 Wochen auf das Geld warten lassen. Telefonisch verbunden wird man mit einem Callcenter. Vage Ausreden (Jahreswechsel, zuwenig Mitarbeiter) sind Standard. Herr Frings wird schon unruhig und uns war die Angelegenheit peinlich. Habe den Eignern des Bootes „Lady Blue“ in der Türkei Dieter und Jutta Bsumek in Hannover einen Brief geschrieben und die derzeitige Situation erklärt. Aber die „Lady Blue“ ist von dem nächsten Interessenten gekauft worden und so hat sich für alle Beteiligten die beste Lösung gefunden. Da hatten wohl beide Seiten ein schlechtes Gewissen. Wenn wir im April/Mai Abschied nehmen machen wir bei Bsumeks in Hannover einen Zwischenstopp. Dieter hat noch Seekarten von der holländischen Küste, die er uns geben will. Er braucht jetzt nur noch Landkarten. Unser Enkel Jason ist am 11.12.08 ein Jahr alt geworden. Jeden Dienstag, wenn ich Mami und Kind besuche, wird der Abschied schwerer. Der einzige Minuspunkt an unserem Vorhaben, dass wir unseren Enkel jetzt nicht aufwachsen sehen. Seine kleinen Fortschritte, Krabbeln, Laufen, Sprechen gibt es dann nur auf Video und Fotos zu sehen. Februar 2009 Die ersten Umzugskartons und Regale unserer Hausnachfolger stehen an einer Wand entlang im Wohnzimmer. Das wird ein fliegender Wechsel. Die Garage ist geräumt – der erste Sperrmüll steht vor dem Haus – in der Küche sind nur noch die notwendigsten Dinge – Deko`s und Gardinen bereits verpackt – es wird langsam ungemütlich, aber im Ausgleich die Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt immer größer. Im Fernseher läuft fast nur noch die DVD von der „Destiny“. Die Beschäftigung am Abend besteht häufig aus dem Lesen der Online Logbücher diverser Weltumsegler. Wir verfolgen die Berichte der SY Tonga mit Monika und Gerd, der Hippopotamus mit Judith und Sönke, der Hello World mit Brit und Axel und einiger anderer, die auf der Barfußroute ( Segelroute mit dem Passatwind um die Welt )unterwegs sind. Unser Apotheker nimmt sich Zeit für die Zusammenstellung unserer Bordapotheke. An Impfungen haben wir uns bis jetzt nur für Hepatitis A und B entschieden. Einige Ausrüstungsgegenstände, Werkzeug, Druckkochtopf gekauft. Zu meinem Geburtstag am 15. Februar der letzte Besuch bei unserer Tochter in Wiesbaden. Da dort ein Teil unserer Möbel steht, fühlen wir uns fast wie zu Hause. Abschiedsessen beim Marokkaner und Besuch in Frankfurt im Palmengarten. Zwei schöne Tage. März 2009 Unser Vorhaben spricht sich herum. Unter unseren Freunden und Bekannten sind keine Segler. Reaktionen auf unsere Pläne sind häufig Unverständnis, Neid. Sätze wie „ihr müsst ja Geld haben“, „wie ? nur ihr beide den ganzen Tag auf einem Boot ?“, „habt ihr keine Angst vor Piraten ?“, „habt ihr denn einen Segelschein ?“, „ja, ihr wart immer schon anders“ haben wir häufig gehört. Seltener sind Antworten wie „toll, macht das !“ oder „ich freue mich mit euch“. Zuerst kommen meistens die Vorbehalte und dann, warum man das selber nicht könnte. Am vorletzten Wochenende im März haben wir innerhalb von zwei Tagen das Haus komplett geräumt und die Schlüssel übergeben. Die Möbel sind bei einem Nachbarn in einer leerstehenden Wohnung eingelagert. Da nicht alles untergebracht ist, belegen wir bei unseren Nachfolgern noch bis Mai das Gästezimmer. Vielen Dank an Ilka und Chris (die neuen Hausbesitzer) und unseren Nachbarn Reinold. Unsere restlichen Besitztümer passen in einen Anhänger und auf die Ladefläche des Firmenwagens. Sohn Marco zieht ins WoMo, wir ziehen mit den Hunden für eine Woche zu Freunden nach Warstein. Deren Tochter Linda hat für uns ihre kleine Einliegerwohnung geräumt, wir werden versorgt und bekocht und so ist diese letzte Woche in der alten Heimat ein schöner Abschluss. Wir fühlen uns sehr wohl, machen lange Hundespaziergänge, letzte Besuche beim Enkel, Freunden und Verwandten und Behördengänge. Eine Abmeldung auf Postadresse Ankerplatz ist im bürokratischen Deutschland nicht möglich. So einen Fall gab es im Amt noch nicht. Es werden Gesetzestexte gewälzt, Kollegen zu Rate gezogen und keine Lösung gefunden. Eine Anmeldung auf Firmenadresse ist auch nicht möglich, da dort kein Wohnraum ist. Bliebe eine Anmeldung auf Marcos neue Adresse, aber laut Gesetzestext macht man sich strafbar, wenn man dort gar nicht wohnt. Also sind wir bis auf weiteres obdachlos. Mit diesem Status könnten wir jetzt eigentlich täglich zum Amt gehen, uns den Tagessatz von 11,70 € auszahlen lassen und uns bei der Tafel anstellen. Die Mitarbeiter in der Firma haben sich noch ein nettes Abschiedsgeschenk einfallen lassen und überreicht. Der Text auf der Karte ist so nett gedichtet, dass ich ihn in Auszügen hier wiedergeben möchte. Dabei noch ein Gutschein über ein gemütliches Essen in maritimer Atmosphäre von einem Lokal in Flensburg. Tolle Idee ! |
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© Hans Lichtenberg
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