Dunkerque – Boulogne Sur Mer 53,7 SM
12,27 Std.
Viel motort, Wind von vorn. Motorprobleme- direkt in der Hafeneinfahrt geht nichts mehr. Hans behält die Ruhe, ich sehe uns schon am Strand auflaufen. Die Überlegungen gehen von – mit Beiboot und Außenborder ins Hafenvorbecken schleppen, unter Segeln einlaufen, den Anker werfen oder um Hilfe bitten. Hans tauscht zunächst den wenige Tage alten Vorfilter aus. Läuft wieder! Puh! Hitzewelle! Jetzt muss ein Mechaniker her. So fahre ich keinen Meter mehr.
Boulogne Sur Mer 0 SM
Zwangspause. Der Hafenmeister hilft weiter und telefoniert nach einem Monteur. Der angekündigte Mr Brouttier für l apres-midi (Nachmittag) erscheint leider nicht. Morgen ein neuer Versuch.
Donnerstag, 16. 07.09
Noch Mal beim Hafenmeister. Der telefoniert mit der erneuten Zusage für l apres-midi. Wieder warten. Ich entferne Rost und streiche, Hans hockt im Motorraum. Es wird Abend und wir geben die Hoffnung auf, dass der Monteur noch kommt. Vielleicht hätte ich fragen sollen an welchem Tag l ápres-midi!!
Boulogne sur Mer 0 SM
Gestern haben wir Jeff und Abigail kennengelernt. Jeff organisiert uns bevor er arbeiten geht einen Mechaniker. Der kommt sofort mit und klärt unsere Probleme. Glücklicherweise spricht er gut Englisch. Der Tank muss komplett abgesaugt und gereinigt werden. Durch die teilweise heftigen Nordseewellen hat sich der untenliegende Schlamm mit dem Diesel vermischt und verstopft ständig den Filter. Also das, was wir schon vermutet hatten. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 650,- € plus ca. 270 l noch vorhandenem Diesel. Das tut unserer Bordkasse wieder weh! Am Dienstag und Mittwoch kommt die Firma Nicoletta mit einer Maschine zum Steg und saugt alles ab. Ohne die Hilfe von Jeff hätten wir diese Firma nie gefunden. In dem Gewerbegebiet hinter dem Hafen sind viele Firmen, die mit Booten zu tun haben, aber Firmenschilder gibt es meist keine, oder nur welche, die nichts über die Tätigkeit des Betriebes aussagen.
Jeff und Abigail leben hier im Hafen auf Jeffs kleinem Boot von 8,50 m. Jeff ist Ire, Weltenbummler, arbeitet mit Holz, renoviert defekte Holzboote und macht auch Überführungstörns. Abigail ist Französin, hat ein Jahr in Deutschland studiert und arbeitet als Übersetzerin. Die beiden renovieren zusammen Abigails Holzboot Bj. 1954, das sie für 1500.-€ gekauft hat („nicht mehr bezahlen als der Motor wert ist“ sagt Jeff), und das in einem sehr desolaten Zustand ist. Nächstes Jahr im Sommer soll alles fertig sein.
Für ihre Hilfe laden wir die beiden abends zum Essen zu uns ein. Ein lustiger Abend mit einem Sprachengemisch aus Englisch, Französisch und Deutsch.
Boulogne sur Mer 0 SM
Markttag. Unglaublich, was hier so alles gegessen wird. Das tut mir als Aquarianer immer weh, wenn ich Hummer und große Krabben auf den Fischtheken noch leben und sich zu Tode schleimen sehe.
Nach dem Gemüseeinkauf streiche ich ein weiteres Stück Teak und bearbeite einige Roststellen an der Steuersäule.
Nachmittags helfe ich Abigail an ihrem Boot beim Streichen des Unterwasserschiffs. Das Innenleben ist völlig ausgeräumt und ich sehe noch ganz viel Arbeit. Ob das zu schaffen ist? Ich hoffe, dass wir in Kontakt bleiben und wie heißt der schöne Spruch—Man sieht sich immer zweimal im Leben.
Seit vierzehn Tagen haben wir heute mal wieder Internet. Abigail hat uns ihre Benutzerkennung gegeben. Freie Hot Spots findet man hier nur sehr selten, die Gebühren sind teilweise unverschämt (5 € pro Stunde war bis jetzt das frechste). Vielen Dank für eure e-mails und die gedankliche Unterstützung aus der Heimat. Auch Mary und Udo von der Dreizack, die wir in Radern und auf Norderney getroffen haben, verfolgen nach ihrem Urlaub unseren Weg. Wie schon gesagt--- Gästebuch folgt.
Sonntag, 19.07.2009
Boulogne-Sur-Mer 0 SM
Wir sind beim Stegnachbarn zum Kaffee eingeladen. Er möchte etwas wieder gutmachen, da er die von uns entliehene Eisensäge hat ins Wasser fallen lassen. Unkompliziert bekommt jeder eine Plastiktasse und ein Beutelchen mit Pulverkaffee und Zucker. Der Skipper übersetzt unser Englisch für seine Frau und zwei weitere Gäste ins Französische – dauert immer etwas, aber geht irgendwie. Anschließend „Visite“ bei uns. Die Männer begutachten begeistert den Motorraum, die Frauen interessieren sich für die vielen Stauräume und unsere Waschtonne. Beide Männer träumen auch von "großer Fahrt".
Montag, 20.07.2009
Boulogne-Sur-Mer 0 SM
Abends spreche ich mit Madame Danielle, die hier im Hafen lebt. Sie wohnt mit drei Hunden in einem kleinen abgemeldeten Auto auf dem Hafenparkplatz und bettelt tagsüber auf der Hafenbrücke. Sie spricht nur Französisch
und ich verstehe leider nur einen kleinen Teil von dem, was sie mir erzählt. Aber Jeff hatte mir schon einige Informationen gegeben. Ihren Lebensunterhalt hat sie früher als Prostituierte bestritten, ist jetzt an die fünfzig Jahre alt, hat keine Familie und keine Kinder. Ihre Lebenssituation beschreibt sie als „malheur“(Unglück) und über ihre Zukunft meint sie, dass sie auf der Brücke sterben wird. Im letzten sehr kalten Winter hat Jeff ihr geholfen – eine Ecke in seiner Werkstatt zur Verfügung gestellt und dafür gesorgt, dass sie die Sanitärräume im Hafen benutzen kann. Die staatliche Hilfe, in Form einer Sozialwohnung (bzw. Zimmer) will sie nicht in Anspruch nehmen. Ein schweres Leben ohne Perspektive. Ich wollte nicht indiskret sein und Madame Danielle fotografieren, aber von ihrem Wohnauto durfte ich ein Foto machen. Durch Madame ist die Idee entstanden menschliche Schicksale zum Themenpunkt im Logbuch zu machen. Passt ja auch zum Schiffsnamen Destiny = Schicksal. Ich bringe ihr jeden Tag etwas vorbei – Kuchen, Baguette, Hundefutter, Haushaltstücher etc.
Dienstag, 21.07.2009
Boulogne-Sur-Mer 0 SM
Unsere beiden Mechaniker sind da. Bis nachmittags um fünf wird abgesaugt, mühselig Schlamm entfernt, ein stark riechendes Reinigungsmittel versprüht und Diesel wieder eingefüllt. Auf dem Boden des Tanks liegt ein abgebrochenes Rohr mit Sieb, von dem wir noch nicht genau wissen, wo es hingehört. Jetzt brauchen wir noch einige Filter für Restschmutz im Diesel, dann ist hoffentlich alles wieder ok.
Der Chef kommt abends zum Kassieren und weil alles so gut geklappt hat (veranschlagt waren zwei Tage) lässt er noch 100 € nach, also nur noch 550 € !
Mittwoch, 22.07.2009
Boulogne-Sur-Mer 0 SM
Auf Filtersuche und der Wind kommt von vorn, also bleiben wir noch und lernen fleißig Französisch. Hans findet die Filter im Autozubehör zum günstigen Preis von 5,30 € (im Yachthandel haben wir zuletzt 11,90 € bezahlt). Das Problem ist schon mal gelöst. Jetzt haben wir noch das Problem Gasflasche. Tauschflaschen gibt es nirgends. Zwei nette Stegnachbarn fahren mich zur Tankstelle und zum Campingbedarf, aber wir werden nicht fündig. Also wahrscheinlich neu kaufen plus Adapter, sonst bleibt die Küche bald kalt.
Was uns noch aufgefallen ist :
- auf den Zebrastreifen einfach losgehen, nicht warten bis jemand anhält (ist für uns sehr gewöhnungsbedürftig)
- nirgends gibt es Vollkornbrot. Nur Baguette und Brot von toastähnlicher pappiger Konsistenz. Steht auf meiner Mitbringliste für die nächsten Besucher ganz oben – Vollkornbrot, Sauerländer Bockwürstchen und Rübenkraut in genau dieser Reihenfolge.
Boulogne Sur Mer 0 SM
Wind, Welle und Tide sind gegen uns. Sonntag soll es passen. Unser Stegnachbar Pascal kommt mit seinem Laptop und gibt uns Tipps für unsere Route. Mittags fährt er mit Hans los in der Angelegenheit Gasflasche. Dafür reiche ich ein Glas Kuchen rüber. Ansonsten streichen, Motorraum aufräumen etc.. Abends kommen Geoff und Abigail noch auf ein Glas Wein und bringen uns zum Abschied leckere Chocolades mit, die hier hergestellt werden.
Boulogne Sur Mer – Dieppe 62,5 SM 13 Std
Früh geht es los. Schleusen um 6.39 Uhr. Ereignisloser Segeltag. Das letzte Drittel unter Motor – kein Wind. Abends um 21.00 Uhr erreichen wir Dieppe bei Niedrigwasser. Ich habe ein neues Mittel gegen Seekrankheit genommen, das mich aber so müde macht, dass ich den Vormittag im Cockpit verschlafe. Nun ja, dann ist mir zwar nicht schlecht, aber mein Mann muss alles alleine machen. Also doch lieber Cocculus und Vitamin-C.
Montag, 27.07.2009
Dieppe (F) 0 SM
Die Stadt Dieppe ist eingebettet zwischen Kalksteinfelsen. Der Hafen liegt mitten in der Stadt zwischen alten Häusern und hat einen Tidenhub von über 9 Metern. Als ich morgens beim Aufräumen im Vorschiff ankomme, oh Schreck, die Luke war nicht ganz verriegelt, die Betten sind komplett nass durch überkommendes Spritzwasser. Also alles
raus, es regnet gerade. Auch so kann man Salzwasser abspülen. Die Matratzen abledern und in der Essecke zum Trocknen aufstellen, Bettwäsche und Inletts über die Reling hängen – Seglerfreuden! Mukka trinken und entspannen.
Stadtbesichtigung, am Kiesstrand und nachmittags die Sonne geniessen.
Teurer Aufenthalt mit 34.- € Liegegebühr – es wird Zeit für Ankerliegeplätze, aber die sind in Frankreich nur selten. Die nächste Möglichkeit ist in Cherbourg im Vorhafen.
Dienstag, 28.07.2009
Dieppe – St. Valery En Caux 18 SM 5,06 Std
Unter Motor gegen 17.00 Uhr im Hafen St. Valery in der Normandie. Wunderschön hier. Mit Handschlag werden wir am Boot begrüßt, alle Informationen teilweise sogar in Deutsch überreicht und ein unwiderstehliches Angebot gemacht von 2+1 Übernachtung gratis. Dieser Hafen ist schwierig anzulaufen, weil er nur drei Stunden vor und 2 Stunden nach Hochwasser geöffnet ist. Insofern ist er nur für wenige Fahrtensegler ein Ziel, ist uns aber in Belgien von Stegnachbarn besonders empfohlen worden. Und die haben recht – alte normandische Villen, Blütenpracht, kleine Geschäfte. Es gefällt uns hier.
Freitag, 31.07.2009
St. Valery En Caux 0 SM
Meine Schwester Irmlinde aus Moers trifft am späten Nachmittag mit den drei Kindern Lukas, Peter und Moritz ein. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, rollt jeder seinen Schlafsack in der entsprechenden Koje aus, richtet sich ein und dann geht es zum ersten Rundgang ins Städtchen und zum Strand.
Montag, 3.08.2009
Die Tage vergehen mit Strand, Bummeln, Bootsarbeiten und natürlich Essen. Moritz und Peter erledigen die Mastarbeiten, das Boot wird geputzt und sonstige kleine Dinge erledigt.
Heute gehen wir raus zum Segeln. Beim Ablegen versetzt uns die Strömung vom gerade geöffneten Hafentor so stark, dass wir mit dem Vorsteven eine kleine Schramme ans Nachbarboot fahren. Wir einigen uns später auf 100.-€. Der Flaggenmast ist etwas verbogen und ein kleiner Lackschaden am Gelcoat.
Die Kinder bekommen eine Schwimmweste und jeder hat bestimmte Aufgaben zu erledigen. Seeventile und Fenster schließen, alles sicher stauen, Geschirr mit Tüchern abpolstern, Stromkabel einholen etc..
Es ist sehr wenig Wind und kaum Welle, aber nach einer knappen Stunde werden die beiden Jüngsten ganz still. Peter opfert Neptun und bis zum Ende der Tour hocken die beiden mit unserem blauen „Neptuneimer“ auf dem Achterdeck und müssen auf den Horizont schauen. Wir wenden sofort und so ist der Segeltörn nach zwei Stunden vorbei. Lukas hat keine Probleme. Fazit: zwei unserer drei Leichtmatrosen möchten nicht noch einmal segeln und die nächsten Ferien dann auch lieber an Land verbringen!
Ein Unglück kommt ja selten allein – nachmittags fällt noch der Hund beim an Bord heben ins Wasser und muss mit dem Bootshaken wieder hochgezogen werden.
Abends spielen wir Canasta.
Dienstag, 4.08.2009
Peter und Moritz sind den ganzen Tag beschäftigt und bauen ein Senknetz aus einem alten Regenschirm. Aber der große Fang zum Abendessen bleibt aus und so gibt es dann doch Bratwürstchen. Morgen nach dem Frühstück wollen die vier wieder in die Heimat und für uns geht es weiter nach Cherbourg.
zu den Bildern Juli 2009
| < Zurück | Weiter > |
|---|











