Samstag, 27.11.2009
Las Galletas – La Gomera 30 SM
Eigentlich wollten wir erst die Touristenhochburg Los Christianos anlaufen, aber der kleine Hafen ist voll. Weiter geht es nach Porto Colom, aber auch da weist man uns ab. So bleibt uns keine Wahl und wir setzen direkt über nach La Gomera, das Wunschziel von Sonja und Freundin Claudia. Bei zu wenig Wind läuft der Motor zum größten Teil mit. Zuerst fühlen die beiden sich noch ganz gut, aber es dauert nicht lange und beide werden seekrank mit leichter Übelkeit und Unwohlsein. So macht Segeln natürlich keinen Spaß. Wir schaffen es gerade noch bei Tageslicht den Hafen San Sebastian im Osten La Gomeras anzulaufen. Duschen, Essen, früh in die Kojen.
Dienstag, 1.12.2009
San Sebastian (La Gomera)
Nachdem die letzten zwei Tage mit Stadtbummel, Großeinkauf und Strandbesuch vergangen sind, nehmen wir uns für heute einen Mietwagen und machen einen Ausflug auf die andere Seite der Insel. In Serpentinen geht es den Berg hoch und direkt hinter der Bergkuppe beginnt eine andere Welt. Hier ist der Nationalpark Garajonay, der kanarische Urwald. Man glaubt sich in einem Mini Kontinent, verschiedene Klimazonen auf engstem Raum sind hier vereint. Es wird feucht, Bäume, Moose, Flechten und Farne bedecken die Berge, während die östliche Seite mit Kakteen und Sukkulenten bewachsen ist. Die Temperatur fällt schlagartig, so dass wir unsere vorsorglich eingepackten Jacken rausholen. Unser Ziel ist Valle de Gran Rey, das immer noch als das Zentrum der Aussteigerkultur gilt. Auch nach diversen Säuberungsaktionen ist es der Guardia Civil nicht gelungen die "Strandmenschen" zu vertreiben. Viele der "Altgedienten" leben heute von und mit dem Tourismus. Wanderführer, Whale-Watching Touren oder Tauchlehrer sind die übliche Art des Geldverdienens.
Wir machen uns auf in den Naturpark Argaga, den Frucht – und Obstgarten, den das Ehepaar Schrader (www.fruchtgarten.com) in mühseliger Arbeit seit 1985 aufgebaut hat. Zwei Mal wöchentlich ist der Garten für Interessierte geöffnet. Für ca. 90 Minuten wird man durch die Hangterrassen geführt und verkostet Früchte, die man noch nie gesehen bzw. probiert hat. Alles wird biologisch angebaut. Es war ein Erlebnis.
Mittwoch, 2.12.2009
San Sebastian (La Gomera)
Im Hafen gibt es viel zu beobachten. Von hier aus startet die Atlantik-Ruderregatta (www.woodvale.challenge.de) und seit Tagen wird vorbereitet und die ersten Ruderboote zu Wasser gelassen. Einige wagemutig Verrückte wollen allein, zu zweit oder im Vierer den Atlantik überqueren. Einhand dauert die Reise 57 Tage!!!
Sonja feiert ihren 26.ten Geburtstag und wir sind abends zum Essen beim Spanier eingeladen. Lecker!Freitag, 4.12.2009
San Sebastian (La Gomera)
Heute leisten wir drei Mädels uns noch einmal einen Mietwagen. Wir wollen auf dem El Cedro wandern (da streikt der Skipper natürlich) und die Orte Hermigua und Agulo im Norden der Insel besuchen. Und wieder geht es den Berg hinauf und hinunter mit unserem kleinen roten Flitzer. Der Ort Hermigua hat einige sehenswerte Kolonialbauten zu bieten und gilt als der schönste Ort der Insel. Leider sind derzeit massive Umbauten im Gange, so dass wir den Ort nicht wirklich genießen können. Aber die anschließende Siesta am Nordstrand des Ortes ist sehr schön. Auf großen Steinen sitzend, in Reichweite der Brandung verzehren wir unsere Brote. Frisch gestärkt fahren wir den Berg durch den Ort Agulo wieder hoch und machen uns auf die Wanderung durch den feuchten Nebelwald am El Cedro. Hier regnen sich die Passatwolken ab, so dass in dem immer feuchten Klima eine üppige Flora entstanden ist. Der Wald erinnert in vielem an einen Sauerländer Herbstwald. Große Baumarten mit darunter wachsenden Farnen, Moosen, Flechten und Pilzen. Die Inseln beheimaten 670 endemische Pflanzenarten. Dazu kommt eine Vielzahl von einst importierten und inzwischen heimisch gewordenen Pflanzen, wie beispielsweise die Bougainvilla, die ursprünglich aus Südamerika stammt.
Zur Kaffeezeit erreichen wir ein einsam gelegenes Lokal mit Campingplatz und trinken dort mit traumhaftem Ausblick vom Berg unseren Cafe con Leche.
Zurück geht es dann noch an den Playa de Santiago im südlichen Teil der Insel. An einer Strandbar verputzen wir eine leckere Tortilla und schon ist ein schöner Tag wieder um.
Sonntag, 6.12 2009
San Sebastian – Las Galletas (Teneriffa) 26,1 SM 6,33 Std.
Abschied von der schönen Insel. La Gomera mit seinen 22600 Einwohnern ist nicht von Touristen überlaufen und hat uns allen sehr gut gefallen. Das Klima ist super, nicht zu heiß und immer etwas Wind. Für uns entdeckt haben wir die berühmte Mojo Sauce in mehreren Varianten und Kaktusfeigenmarmelade. San Sebastian ist ein ruhiges kleines Städtchen mit einer guten Infrastruktur. Im Hafen sind etliche Landsleute, die zum Teil schon seit Jahren hier auf ihren Booten leben. Werner, ehemaliger Schiffsingenieur, verarbeitet Edelstahl auf seinem etwas chaotischen Boot (Zitat Werner: "Für eine Frau habe ich keinen Platz".) Er schweißt und biegt uns unsere Aufstiegsleiter passend für den Bugkorb, macht 50.- €. Andy mit seinem Hund Mausi – Trans Ocean Leiter (Seglervereinigung mit Stützpunkten in der ganzen Welt) betreibt hier in einem Container einen Yachtservice und kommt für den Ölwechsel und diverse Reparaturen, macht 142.- €. Wir überlegen, von hier aus weiter über den Atlantik zu starten, aber erstmal müssen Sonja und Claudia zum Rückflug zurück nach Teneriffa und für uns steht auch bald ein Heimatbesuch an zur Firmenübergabe. Hafenkosten für eine Woche, inclusive Duschen, Strom und WiFi ( im Schneckentempo, gelegentlich) 120.- €.
Mittags legen wir ab, nachdem wir Mädels noch den Weihnachtsmarkt in der Einkaufszone besucht haben. Kein Wind. Die "Düse" zwischen Gomera und Teneriffa lässt uns im Stich und so wird die Destiny mal wieder zum Motorboot. Einziger Höhepunkt der Reise – kurz vor Teneriffa (vermutlich an der Stelle, die von den Whale Watching Booten besucht wird – das sind angefütterte Tiere) entdecken wir einige kleine Wale, von den meisten ist aber nur die Rückenflosse zu sehen. An einen fahren wir sehr nah heran, aber er fühlt sich wohl gestört, bläst noch ein paar mal und taucht dann ab. Immerhin gibt es auf dem Foto die Flosse zu sehen. Gegen Strom, Welle und ohne passenden Wind brauchen wir lange und erreichen erst mit beginnender Dunkelheit Las Galletas, Marina del Sur.
Montag, 7.12.2009
Las Galletas
Mal wieder Superwetter. Claudia und Sonja verschwinden zum Strand zum Poi-Spielen. Hans und ich relaxen. Nachmittags nehmen wir den Bus nach Los Christianos, um uns in diesem Touristenmekka einmal umzusehen. Vor vielen Jahren sind wir mit den Kindern einmal hier gewesen. Mal sehen, was wir noch wiedererkennen.
Dienstag, 8.12.2009
Las Galletas
Abreisetag. Um 17.30 Uhr geht der Flieger. Aufräumen, umräumen, Großputz, Wäsche und Bootspflege.
Mittwoch, 9.12.2009
Lasse mir im Marinabüro ein Angebot machen für einen Monat Liegeplatz. Leider gibt es nur 10% auf den Tagespreis, das sind dann 624.- €. Viel zu teuer, aber die anderen Marinas in der Nähe haben ähnliche Preise. Alternativ wäre die Rückkehr nach La Gomera, dann würde sich aber der Preisvorteil durch die günstigere Marina mit den Zusatzkosten für die Fähre a 32.- € wieder aufheben. Zudem müssten wir die Nacht wegen des frühen Abflugtermins auf dem Flughafen verbringen. Am Donnerstag um 10.30 Uhr geht der Flieger in die alte Heimat.
Freitag, 11.12.2009
Enkel Jason hat heute Geburtstag. Zwei Jahre wird der kleine Mann heute schon alt. Mama Janina versucht zwar die Erinnerung an Oma und Opa mit Fotos immer wieder aufzufrischen, aber inzwischen ist es ein halbes Jahr her, dass wir ihn das letzte Mal gesehen haben.
Ruben meldet sich und teilt mit, dass er das Boot nächstes Jahr wieder nach Deutschland zurückbringen will und er die Sachen ja dann noch braucht. Schade!
Sonntag, 13.12.2009
Hier im Hafen ist immer was los. Wir liegen direkt neben einer Gruppe Clubsailyachten (Segellehrgänge), mehreren Tauchschulbooten und zwei Delphin Kat`s. Ab neun Uhr morgens wird es hier unruhig, aber so gibt es immer was zu sehen und auch manchmal zu lernen, z.B. wie man mit der Rettungsweste ins Wasser springen soll.
Den Rest der Woche bis zum Flugtermin am Donnerstag werden wir noch einige Arbeiten am Boot erledigen (Seewasserhandpumpe an der Spüle anbringen, Rettungsinsel auf Deck verschrauben, neue Staupläne für Lebensmitteln erstellen, zwei defekte Lampen reparieren.... etc.) Ein Ausflug mit dem Linienbus nach Puerto de la Cruz im Norden der Insel ist auch noch geplant.
So melde ich uns dann mal ab bis zum neuen Jahr. Spätestens Mitte Januar wollen wir wieder an Bord sein, segeln dann zurück nach La Gomera und treffen von dort aus die Entscheidung wohin es weitergeht. Marokko, Gambia, Kapverden oder die kleinen Antillen sind mögliche Ziele.
Über 3000 SM liegen hinter uns – wir haben viel gelernt – sind ohne größere Blessuren an Mensch und Material bis zu den Kanaren gekommen – oft war es sehr anstrengend – Langzeitsegeln hat nicht nur Sonnenseiten mit türkisfarbenem Wasser und einsamen Ankerbuchten, auf der anderen Seite stehen Stürme, bedrohliche Situationen, technische Probleme, unkomfortable Lebensbedingungen und Spannungen innerhalb der Crew. Die Fähigkeit positiv zu denken ist das wichtigste an Bord. Wir sehen es als Herausforderung an, eine ganz andere Lebensform, die einem viel abverlangt, aber auch voller Spannung und immer neuer Ziele ist.
Allen Lesern, die uns bis jetzt die Treue gehalten haben und ein wenig mit uns gereist sind wünschen wir ein gutes Neues Jahr.
Bis dann Hans und Hillus von der "Destiny".
zu den Bildern Dezember 2009
| < Zurück |
|---|




