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Start Logbuch 2009 Aufbruch - März 2009

Aufbruch - März 2009

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März 2009

Unser Vorhaben spricht sich herum. Unter unseren Freunden und Bekannten sind keine Segler. Reaktionen auf unsere Pläne sind häufig Unverständnis, Neid. Sätze wie "ihr müsst ja Geld haben", "wie ? nur ihr beide den ganzen Tag auf einem Boot ?", "habt ihr keine Angst vor Piraten ?", "habt ihr denn einen Segelschein ?", "ja, ihr wart immer schon anders" haben wir häufig gehört. Seltener sind Antworten wie "toll, macht das !" oder "ich freue mich mit euch". Zuerst kommen meistens die Vorbehalte und dann, warum man das selber nicht könnte.

Am vorletzten Wochenende im März haben wir innerhalb von zwei Tagen das Haus komplett geräumt und die Schlüssel übergeben. Die Möbel sind bei einem Nachbarn in einer leerstehenden Wohnung eingelagert. Da nicht alles untergebracht ist, belegen wir bei unseren Nachfolgern noch bis Mai das Gästezimmer. Vielen Dank an Ilka und Chris (die neuen Hausbesitzer) und unseren Nachbarn Reinold. Unsere restlichen Besitztümer passen in einen Anhänger und auf die Ladefläche des Firmenwagens. Sohn Marco zieht ins WoMo, wir ziehen mit den Hunden für eine Woche zu Freunden nach Warstein. Deren Tochter Linda hat für uns ihre kleine Einliegerwohnung geräumt, wir werden versorgt und bekocht und so ist diese letzte Woche in der alten Heimat ein schöner Abschluss.

Wir fühlen uns sehr wohl, machen lange Hundespaziergänge, letzte Besuche beim Enkel, Freunden und Verwandten und Behördengänge. Eine Abmeldung auf Postadresse Ankerplatz ist im bürokratischen Deutschland nicht möglich. So einen Fall gab es im Amt noch nicht. Es werden Gesetzestexte gewälzt, Kollegen zu Rate gezogen und keine Lösung gefunden. Eine Anmeldung auf Firmenadresse ist auch nicht möglich, da dort kein Wohnraum ist. Bliebe eine Anmeldung auf Marcos neue Adresse, aber laut Gesetzestext macht man sich strafbar, wenn man dort gar nicht wohnt. Also sind wir bis auf weiteres obdachlos. Mit diesem Status könnten wir jetzt eigentlich täglich zum Amt gehen, uns den Tagessatz von 11,70 € auszahlen lassen und uns bei der Tafel anstellen.

Die Mitarbeiter in der Firma haben sich noch ein nettes Abschiedsgeschenk einfallen lassen und überreicht. Der Text auf der Karte ist so nett gedichtet, dass ich ihn in Auszügen hier wiedergeben möchte.


„Nun ist es endlich soweit,
das Schiff steht schon bereit !

Auf die große Reise geht es nun,
und wir haben hier viel zu tun !

Fleiß und Mühe ist nun unsere besondere Pflicht,
egal wann und wo oder in welcher Schicht !

Unsere „Alten Chef`s“ kennen wir schon so lange,
verkauften zusammen so manchen Hamster und Riesenschlange !

Viele Kunden kamen in all den Jahren,
bestimmt werden ne Menge Leute fragen „ Wo sind die hingefahren ?“

Und wenn Sie dann mal in der Sonne sitzen,
denken Sie doch auch mal an uns, wie wir schwitzen!

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen –
Dann können wir ja mal alle zusammen essen gehen !

Dabei noch ein Gutschein über ein gemütliches Essen in maritimer Atmosphäre von einem Lokal in Flensburg. Tolle Idee !

 


Montag, 30.Mrz.2009

Aufbruch nach Flensburg mit WoMo meines Bruders plus Hänger und Pick up. Mittags in Hannover beim Vorbesitzer die Kojenpolster eingeladen. Ankunft am späten Nachmittag im Yachthafen Sonwik.

Die wichtigsten Kisten werden ausgeladen, so dass wir wenigstens schlafen und essen können. Es ist eiskalt im Schiff und unser kleiner Konvektorofen ist derzeit das wichtigste Gerät an Bord. Spät am Abend gibt es für uns vier ( mein Bruder, Herr Frings, Hans und mich) Irish Stew aus meinem Einmachvorrat und Englischen Kuchen aus dem Glas mit Cappuccino aus dem „Mukka“. Eine Flasche Sekt von Herrn Frings zur Schiffsübergabe gibt uns die richtige Bettschwere. Die erste Nacht an Bord.


Dienstag, 31.Mrz.2009

Schlecht geschlafen neben meinem "Schnarchhahn". Nur eine Winterbettdecke noch zusätzlich über der Bettdecke hat ein Erfrieren verhindert. Nach dem Frühstück an Bord geht es weiter ans Ausladen. Verzweiflung macht sich in mir breit- der Hänger ist noch halbvoll und es passt jetzt schon nichts mehr. Bruder Winni schleppt alles heran, ich staue, Hans und Herr Frings schlagen sie Segel an. Mittagessen aus dem „Erascorant“ – Serbische Bohnensuppe mit Brötchen. Bei der Kälte schmeckt alles Warme gut. Der Tag bleibt grau und trübe, obwohl in ganz Deutschland die Sonne scheint. Die Pantry ist inzwischen fertig und die Achterkajüte mit Bad nach mehrmaligem Umpacken auch. Die ersten Kartons mit „unnötigen Sachen“ (hat Winni entschieden als erfahrener Camper – ich hatte eigentlich keine!) wandern in den Hänger zurück. Tuppertöpfe, Auflaufform die nicht in den Backofen passt, statt acht Gläser nur noch vier ( Zitat Winni : „Ihr seid nur zu zweit“.) etc. Abends ist der letzte Karton ausgeladen. Herr Frings verabschiedet sich und wir sind dann müde.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 18. August 2011 um 22:18 Uhr