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Start Logbuch 2009 Abschied Juni 2009

Abschied Juni 2009

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Aandora beim LandgangMontag 01.06.2009
Horup Hav - Maasholm
Nicht so gut geschlafen. Zweimal aufgestanden und geprüft, ob der Anker noch hält und die Ankerlaterne noch brennt. Alles o.k. Hans steht mit mir auf, wir frühstücken und wieder Landgang mit Mops im Dingi. So bieten wir wieder für alle Ankerlieger was zum gucken. Um 11.oo Uhr Anker hoch, Richtung Kiel. Wieder kein Wind, Motor an, Autopilot an, Kurs 130° eingestellt, so brauchen wir nur Ausschau halten, ob wir auf Kollisionskurs sind. Nachdem wir die Förde verlassen haben, segeln wir unter Genua mit Wind von hinten auf dem Kiel-Flensburg-Weg mit zwei Knoten gemächlich dahin. Da das Boot bei Rückenwind keine Lage macht, kann ich sogar zwischendurch Kaffee kochen. Gegen 16.00 Uhr steuern wir den Hafen Maasholm (Schlei) an. Helfende Hände ziehen uns in die enge Box. Schöner Hafen mit 450 Liegeplätzen, kleinem Strand und direkt angeschlossenem WoMo Stellplatz. Maasholm ist ein idyllisches kleines Örtchen und gilt als eines der schönsten Dörfer Schleswig-Holsteins. Wir holen uns ein Matjesbrötchen vom Imbiss am Hafen und sitzen mit einem guten Chardonnay im Cockpit. Wir liegen am Außensteg für Gastlieger. Es bleiben immer wieder Leute stehen und unterhalten sich über unser Boot. Mit unseren drei Vorsegeln sind wir doch recht auffällig. In Flensburg waren wir auch die Einzigen. Da wir heute Landstrom haben gibt es abends zum Abschluss den Wallander Krimi „Mittsommermord“.
Maasholm mit BordradDienstag 02.06.2009
Maasholm
Es ist so schön hier, wir beschließen noch einen Tag zu bleiben. Aandora freut sich über den Hundebadestrand, ich fahre mit dem Bordfahrrad zum Kaufmann, hole Brot und nach langer Zeit mal wieder eine Tageszeitung. Hans arbeitet an der Erstellung unserer Internetseite.
Marco ruft an- frohe Botschaft – Sonja kann unsere alte Rottweilerhündin Tessa übernehmen. Ihr „Kampfkater“ ist verstorben, der Vermieter ist einverstanden, so ist dann unser altes Mädchen auch besser untergebracht für ihren letzten Lebensabschnitt ( Nierentumor und Cushing Syndrom). Marco bringt die Hündin nächstes Wochenende nach Wiesbaden.
Es pfeift heute ordentlich und so sind wir schon bei zwei verpatzten Anlegemanövern zu Hilfe gekommen. Auf diese Art ergeben sich auch schnell Kontakte.
Donnerstag 04.06.2009
Maasholm - Kiel
Ostsee live! Mit 6 Windstärken rauschen wir mit bis zu 7,2 Knoten nach Kiel. Fetziges Segeln mit ordentlich Welle. Um 18.00 Uhr machen wir im Schleusenvorhafen Kiel-Holtenau fest. Skipper, Crew und Bordhund sind geschafft.

Kiel, Schleuse zum NOKFreitag 05.06.2009
Kiel - Radern
Der Hafenmeister weckt uns um 7.00 Uhr und kassiert sein Liegegeld. Jetzt beginnt das Warten auf die richtigen Schleusenzeichen durch den Nord-Ostseekanal. Um 10.30 einschleusen mit drei weiteren Sportbooten und einem Ausflugsdampfer. Kanalgebühren (18.- €) müssen beim Schleusenwärter bezahlt werden. Das war in Holland immer schön, da kommt der Schleusenwärter mit einem Holzschuh am Seil zum Kassieren. Hier muss man vom Boot in ein muffiges Schleusengebäude. Beim Abspringen vom Boot rutsche ich ab, falle auf die Knie- Ergebnis am nächsten Tag ein dicker blauer Fleck Nach dem Ausschleusen tuckern wir mit 1900 rpm spritsparend  mit 4,2 Knoten durch den Kanal. Es gibt nicht viel zu sehen, ab und zu mal einige Radfahrer, Angler und ein paar große Containerschiffe. Bei Kanalkilometer 67 steuern wir die Rader Insel mit der Marina Schreiber an. Beim Anlegemanöver treffen wir mit dem Vorsteven ein Schild am Steg, das müsste man jetzt kopfstehend lesen! Wir machen uns schon Gedanken, was das wieder kostet, aber der Hafenmeister ist mit einem Trinkgeld zufrieden. Macht er ja während der Arbeitszeit, wie er sagt. Sehr nett! Es ist sehr schön hier. Vom Liegeplatz aus sehen wir die „dicken Pötte“ vorbeifahren. Ich bringe unsere defekte Sprayhood (2 Nähte sind während der Ostseeüberfahrt gerissen) noch zum Segelmacher. Der möchte nur 2,- € für die Kaffeekasse. So viel Glück an einem Tag!
Aandora gesichertSamstag, 06.06.2009
NOK, Rader Insel, 0 SM
Die Brötchen werden vom Hafenmeister geliefert. Das Clubhaus der Marina ist sehr schön und blitzblank. Duschen kostenlos, Küche und Gemeinschaftsraum mit Fernseher und Tauschbibliothek. Wir beschließen bis zum Prüfungstermin am 18.6. hier zu bleiben. Heute reparieren wir die zerrissenen Lazy Jacks ( Haltesystem für das Großsegel beim Bergen) – dafür muss ich in den Mast im Bootsmannstuhl. Nach einer halben Stunde in 14 m schwankender Höhe ist alles wieder fertig. Adrenalinschub pur!
Unsere Stegnachbarn probieren ihrem Hund eine neue Schwimmweste an, die alte war zu klein, passt aber unserem Moppel genau. Für 10.-€ wechselt die Weste, ein Modell aus Schweden den Besitzer. Ich hatte noch im Geschäft vier verschiedene Westen von unterschiedlichen Herstellern bestellt, aber keine passte um den dicken Hals.
Seit zwei Tagen habe ich starke Zahnschmerzen. Per e-mail einen Termin beim Zahnarzt im nächsten Ort angefordert, halte mich so lange mit kalten Wickeln und Dolomo über Wasser. Wir sind zwar von der Zahnarztpraxis Dr. Brücher in der alten Heimat mit allem ausgerüstet, aber Hans möchte sich doch noch nicht an mir versuchen. Das heben wir uns für die Südseeinseln auf „If there is no doctor“.

HafenmeisterSonntag, 07.06.2009
NOK, Rader Insel , 0 SM
Regen, Internetarbeiten. Meine Eltern kündigen sich für nächste Woche an. Winni nimmt die beiden im WoMo mit, so können sie dann auch noch sehen, wie ihre Tochter jetzt lebt. Insofern ganz gut, dass wir noch im Kanal bleiben, da ist eine Ausflugsfahrt für die beiden angenehmer wie auf der Nordsee.
Backe heute „Mallorca Kuchen“. Diesen leckeren und einfachen Kuchen gab es letztes Jahr, als wir zur Schiffsbesichtigung in Mallorca waren, immer auf dem Abendbuffet. Dem netten Hafenmeister bringe ich zur Kaffeezeit noch was ins Hafenhäuschen.  Für alle Segler und Nichtsegler hier das Rezept:

"Mallorca Kuchen"
Zutaten:
2 Eier, 1 Tasse Zucker, 1 P Vanillezucker, 1/2 Tasse Öl, 1/2 Tasse Saft, 1 3/4 Tasse Mehl, 1/2 P Backpulver, 1/2 Dose Ananasscheiben
Belag:
gehackte Walnüsse, Puderzucker
Zutaten verrühren, in 26 Form geben, Ananas darauf verteilen, mit Walnüssen bestreuen
ca. 30 Minuten bei 170° backen
erkalten lassen
mit Puderzucker bestreuen
Variante: anderes Obst nehmen


Montag, 08.06.2009
Insel Radern
Morgens zum Segelmacher und für unsere Kuchenbude (Verdeck überm Cockpit) ein Hinterteil bestellt. Es regnet im Moment und soll die ganze Woche noch so bleiben. Wenn der Wind von hinten kommt, wird die Hälfte des Cockpits nass und ist dann nicht mehr nutzbar. Mit einer festen Abdeckung würde sich unser Lebensraum bei Schlechtwetter beträchtlich erweitern und es muss nicht mehr alles weggeräumt werden. Kostenvoranschlag beläuft sich auf 300-350 €. Wir nicken ergeben!
Habe für heute Nachmittag einen Zahnarzttermin im Nachbarort Büdelsdorf bekommen. Also Ölzeug an und ab aufs Klapprad.
Meine Diagnose, erstellt nach dem Buch „Medizin auf See/Kohfal“ erweist sich als richtig. Entzündete Zahnfleischtasche und darunterliegende Vereiterung am Backenzahn. Das Skalpell kommt zum Einsatz. Schmerzen für den Rest des Tages.

 

Dienstag, 09.06.2009
Rader Insel, NOK 0 SM
Regen. Zahnarzttermin – noch mal geschnitten und Drainage gelegt. Ich sehe mir im Spiegel zu Lernzwecken alles genau an und habe das Gefühl, dass der erwartete Schmerz weniger stark ist. Dr. Joachim in der Praxis Dr. Thomas, Büdelsdorf versorgt mich noch mit weiteren Tips im Falle einer Selbstbehandlung. Na ja, hoffen wir lieber auf einen segelnden Zahnarzt.
Hans hilft unserem Stegnachbarn Klaus bei Computerproblemen und bleibt eine Weile im Nachbarschiff verschwunden.


 

HinweisschildMittwoch, 10.06.2009
Rader Insel, NOK 0 SM
Zahnarzttermin – nur leichte Besserung. Falls es übers Wochenende nicht erheblich besser wird, muss der Zahn raus.
Der Segelmacher hat heute morgen die Schablone angefertigt. Tagsüber Regen und kalt, spätnachmittags kommt die Sonne durch. So war es die letzten Tage immer.
Heute gibt es „Dies und Das“= Reste der letzten zwei Tage, Spargel auf Filet, Linsensuppe und Kartoffeln zu einem neuen phantasievollen Gericht zusammengestellt.


 

Donnerstag, 11.06.2009
Rader Insel, NOK 0 SM
Regentag!
Internetarbeiten. Fotos mit dem Programm AdobeFotoShop katalogisiert.
Rainer ruft an. Er kann uns über die WebCam im Hafen aktuell sehen. Schon klasse, dass man sich über 500 km Entfernung zuwinken kann.


 

Feuer in HoltenauFreitag, 12.06.2009
Rader Insel, NOK 0 SM
Es kachelt mit 6-7 Windstärken. Niemand fährt raus, niemand kommt rein. Selbst hier im Kanal baut sich eine Welle auf. Der Segelmacher bringt heute das hintere Teil der Kuchenbude an. Gut verarbeitet. Jetzt sitzen wir auch draußen trocken und geschützt. Einen Wintergarten haben wir uns ja immer schon gewünscht!
Im Kieler Hafen hat es einen Großbrand gegeben. Bewohner wurden evakuiert und der Kanal war über mehrere Stunden gesperrt.
Vom Yachtversender SVB wurde heute unsere Rettungsinsel und ein zweites Bordfahrrad geliefert.


 

TraumschiffSamstag, 13.06.2009
Rader Insel, NOK 0 SM
Ein bisschen was für die Bildung über den Nord-Ostsee-Kanal:
Grundsteinlegung : 6/1887 durch Kaiser Wilhelm I
Eröffnung  : 5/1895 durch Kaiser Wilhelm II
Länge : 98 km
Der Kanal verbindet die Elbe bei Brunsbüttel mit der Kieler Förde und ist durch vier Schleusen gesichert. Er wird Tag und Nacht befahren, Sportfahrzeuge nur tagsüber, Segeln ist nicht erlaubt. Maximale Schiffsmaße – Länge 235 m Breite 32,5 m
Verkehrsaufkommen (2005) ohne Sportfahrzeuge: 42552 – pro Tag 117
Ladung 88,2 Millionen t – Sportboote 15000
Kostenbeispiel : 6326 BRZ – 6927 €
948 BRZ – 358 €
Für die Berufsschiffahrt besteht Lotsenpflicht. Der Kanal sichert 2000 Personen Beschäftigung. Betriebswirtschaftlich ist er nicht rentabel, hat sich aber zu einer großen Attraktion für Freizeit und den Fremdenverkehr entwickelt. Auf der NOK Route führen 325 Kilometer  Radwege zwischen Brunsbüttel und Kiel teils direkt am Kanal lang.
Es gibt sogar einen Traumschiff-Fahrplan. Fast jeden Tag kommen hier ein bis zwei Traumschiffe durch.

 


 

Montag, 15.06.2009
Rader Insel, 0 SM

Zahnarztermin- erstmal alles wieder ok.
Entrostungsarbeiten. Primer gestrichen. Hans lernt für das UKW Funkzeugnis.

 


Dienstag, 16.06.2009
Rader Insel, 0 SM

 

FußballfanAusflug mit dem Klapprad nach Rendsburg. Bummel in der Fußgängerzone, Abschiedskarten abgeschickt. Der Rückweg eine mittlere Katastrophe. Der Sattel von meinem frisch geölten Fahrrad rutscht mindestens 30mal mit Schwung nach unten, natürlich kein Werkzeug dabei. Wieder daheim ertränke ich meinen Zorn mit „Mukka“- das beruhigt alle bösen Geister wieder. Sattelstange mit Verdünnung entfettet- alles wieder o.k.

Hans lernt. 80% der Fragen müssen richtig beantwortet werden. Viele davon sind praxisfremd und dadurch eigentlich überflüssig. Von Vereinfachung wird seit Jahren geredet, aber damit tun sich eifrige Bürokraten ja bekanntlich schwer.

 


Ankunft auf dem StegMittwoch, 17.06.2009
Rader Insel, 0 SM
Top Wetter !

Am frühen Nachmittag treffen die „Oldies“ mit Winni in unserem ehemaligen Wohnmobil ein. Nachdem die beiden es an Bord geschafft haben und der erste Rundgang durch unser kleines Zuhause gemacht ist, stärken wir uns erst einmal mit “Mallorca Kuchen“. Es gibt viel zu erzählen und zu fragen.

Diese Nacht schlafen die beiden zum ersten Mal in ihrem Leben im „französischen Bett“ im WoMo auf dem Hafenparkplatz. Winni schlägt sein Lager im Vorschiff auf.



Frühstück an BordDonnerstag, 18.06.2009
Rader Insel, 0 SM

Frühstück an Bord. Die beiden haben nicht gut geschlafen  im WoMo. Doch alles zu ungewohnt und eng. Na ja, Abenteuerurlaub.
Hans bricht mittags zur UKW Funkprüfung nach Hamburg auf.
Wir restlichen vier wandern zum Kaffee trinken ins Dorfcafe.
Der Skipper kommt mit glücklichem Gesichtsausdruck zurück. Bestanden!

Das WoMo wird heute in Schlafrichtung Ost-West gestellt. Vater meint, in der gleichen Richtung wie zu Hause schläft er dann besser.


Freitag,19.06.2009
Rader Insel, 15 km

Opa am SteuerHeute machen wir einen Ausflug mit dem Boot. Auf dem Kanal unter Motor bis hinter Rendsburg. Vater wird zeitweilig zum Rudergänger bestimmt und steht hinterm Rad. Geht alles gut! Was gibt es zu sehen? Einige dicke Pötte, die uns ein paar Wellen bescheren- die schwebende Fähre unter der Eisenbahnhochbrücke in Rendsburg und die Schiffsbegrüßungsanlage, an der die großen Schiffe mit Nationalhymne von Schaulustigen empfangen werden.

Zurück im Hafen macht Hans für seine Schwiegereltern Kaffee. Winni und ich fahren zum „Getränkebunkern“.

Der Abschied naht. Gut, dass die beiden noch gesehen haben, wie wir jetzt leben. Mein Vater ist 86, die Knie und einiges andere wollen  nicht mehr so richtig. Meine Mutter ist 81, mit einer schweren Augenerkrankung. Sie hat nur noch mit Spezialgeräten ein Restsehvermögen. Aber trotz dieser Probleme ist alles gut gelaufen. Ausschlafen können die beiden ja jetzt zu Hause wieder.

Wir bereiten uns auf das morgige Auslaufen vor. Wasser bunkern, Fahrräder einpacken, Beiboot auf dem Vorschiff festlaschen, saugen und aufräumen. Noch 60 Kanalkilometer liegen vor uns bis Brunsbüttel und dann geht es an der Elbtonne links ab.


Samstag, 20.06.2009
Rader Insel- Brunsbüttel 65 km

Im strömenden Regen um 10 Uhr abgelegt. Fünfzehn Minuten später kommt die Sonne raus. Es folgt eine etwas eintönige Kanalfahrt. Um 17.30 machen wir im Ausweichhafen Brunsbüttel in Sichtweite der Schleuse fest. Morgen entscheiden wir je nach Windrichtung, ob wir erst nach Helgoland oder direkt zu den ostfriesischen Inseln laufen.

Wir machen einen Marsch bis zur Schleuse und essen dort am Yachthafen. Natürlich was „Fischiges“, Scampis und Matjes. Lecker!


Sonntag, 21.06.09

Brunsbüttel-Cuxhaven 18 SM

Mittags ausgeschleust zur Hochwasserzeit. Der Elbstrom schiebt uns mit 1-3 Knoten zusätzlich nach Cuxhaven. Die letzten Meilen unruhige See, kurze steile Wellen. Um 17 Uhr machen wir im Amerikahafen fest. Freundliche Begrüßung durch Clubmitglieder. Versorgt mit Stadtplan und vereinseigenen Fahrrädern machen wir uns auf den weg in die City. Am alten Fischereihafen ist Flohmarkt, aber jetzt schon im Abbau. Ein Cappuccino an der „Alten Liebe“ und es geht wieder heimwärts. Die Atlantikleinen (Sicherheitsleinen vom Bug bis zum Heck, in die man sich auf See einpieken kann) werden gelegt für den morgigen Törn.
Das eigentliche Ziel Helgoland können wir vergessen, der Wind kommt genau aus Nord, also werden wir an der Inselkette runtersegeln bis Norderney.
Kleiner Unfall am Abend. Beim Aufsteigen aufs Boot rutsche ich ab und lande im Hafenbecken, kann mich aber mit den Armen an der Reling noch halten, so dass ich wenigstens nicht ganz eintauche. Ergebnis leider eine kräftige Zerrung im linken Arm und die obligatorischen blauen Flecke.


Montag,22.06.2009
Cuxhaven, Amerikahafen 0 SM

Wir bleiben einen Tag länger. Unsere Auslaufzeit wäre mit Hochwasser gegen 2.00 Uhr morgens gewesen und Windstärke 5 aus Nord, also genau von vorn. Das wollten wir uns dann doch nicht antun.
AmerikahafenHeute morgen hat in 20 m Entfernung hinter der Spundwand ein Kreuzfahrtschiff angelegt, das seine Passagiere entlässt und neu beladen wird. Diverse Systeme laufen weiter und so ist es den ganzen Tag recht laut. Etliche LKW fahren vor und im Laufe des Nachmittags treffen neue Passagiere ein.

Mit den vereinseigenen Fahrrädern fahren wir zum Einkaufen und besuchen bei den Fischhallen noch den Cuxhavener ZOO&CO. Leider ein Negativbeispiel, schlecht beleuchtet, unordentlich und unorganisiert. In der Fischbörse kaufen wir fürs Abendessen noch leckere Dillhappen und sind zur Kaffeezeit wieder an Bord. Am Kreuzfahrtschiff tut sich einiges. Immer mehr Passagiere bevölkern das Deck und für den Rest des Nachmittags werden wir von einem Männerchor mit Seemannsliedern „verwöhnt“. Nicht ganz unser Musikgeschmack, aber die Kreuzfahrer klatschen begeistert. Um 19 Uhr legt das Schiff ab und es kehrt endlich Ruhe ein. Sicherlich eine besondere Kulisse und Atmosphäre mit den internationalen Schiffen im Hafen zu liegen, wir lieben es allerdings ruhiger.


SonnenaufgangDienstag,23.06.2009
Cuxhaven-Norderney 65 SM

In den Tidengewässern muss man gut planen. Die meisten Häfen im Wattenmeer können nur bei Hochwasser angelaufen werden. Gezeitentafeln und Tidenkurven bilden den wichtigsten Teil der Navigation, wenn man immer die berühmte Handbreit Wasser unterm Kiel behalten will. Rund 2400 SM liegen zwischen Cuxhaven und Las Palmas. Sturm, Gezeitenströme, wechselnde Windrichtungen und starker Berufsverkehr lassen nicht mehr an einen gemütlichen Segelausflug denken. Die Deutsche Bucht genießt einen schlechten Ruf. Der Englische Kanal und die Biskaya gelten bei vielen Seglern als größere Herausforderung als die Atlantiküberquerung.

Die NordseeUm 4 Uhr morgens in Cuxhaven abgelegt in den Sonnenaufgang hinein. Tolles Bild! Wind bis 5 aus Nord und Wellenhöhe bis 1,50 m sind angesagt. Wir rollen ordentlich, da die Welle quer kommt. Gegen 9 Uhr wird mir dann doch übel und ich stehe kurz davor Neptun zu opfern. Viel trinken, Cocculus D6 (homöopathisches Mittel gegen Seekrankheit) 5 Globuli nehmen und ans Ruder gehen hilft. Zwei Stunden später geht es wieder. Wenigstens entschädigt das schöne Wetter mit 21° für das ungemütliche Segeln. In der Kajüte hat sich einiges selbständig gemacht. Eine meiner Küchenkräuterdosen an der Magnettafel hat ihren Inhalt in der Pantry verteilt, drei Gläser sind in Scherben, Bücher, Akten und Werkzeugkästen sind aus den Schapps gehüpft. Um 17 Uhr legen wir in Yachthafen Norderney an. Heute hat sich bestätigt, dass Segeln eine unbequeme Art zu Reisen ist. Wir sind geschafft- die zu kurze Nacht und der starke Seegang über 13 Stunden lassen uns früh in die Kojen fallen.

zu den Bildern Juni 2009

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 21. August 2011 um 10:54 Uhr