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Start Logbuch Kap Verden (April 2010) Inselausflug Sal - April 2010

Inselausflug Sal - April 2010

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Sal, Kap Verden  0 SM         

Donnerstag, 22.April 2010

Carlos - Trans Ocean StützpunkteiterAm Montag, nachdem der Anker gefallen ist, paddeln wir etwas später zur Double Moon rüber und es gibt eine stürmische Begrüßung. Über 850 SM in Funkrufweite zusammen gesegelt und noch ein Treffen mitten auf dem weiten Atlantik - das hat doch was! Wir bringen frisches selbstgebackenes Brot zum Frühstück mit, Meggi macht Rührei und die Männer trinken Bier als Begrüßungsschluck. Mittags erkunden wir den kleinen Ort Palmeira und merken sofort, daß Europa hinter uns liegt. Wir suchen als erstes den Trans-Ocean Stützpunktleiter Carlos auf, der hier seit elf Jahren im Hafenort Palmeira lebt und für alle kleinen Sorgen und Nöte der Segler ein offenes Ohr hat. Carlos sitzt in der Cafebar am Hafen, erfahren wir von seinen Nachbarn in der Autowerkstatt. Und genau da finden wir ihn dann auch. Carlos versorgt uns mit allen notwendigen Infos, wo wir hin müssen zum Einklarieren, Visum, welche Einkaufsmöglichkeiten etc.. Unseren Stempel im Reisepass bekommen wir bei der Polizei für 1.- Euro - schon mal einen Punkt vom Pflichtprogramm abgehakt. Die Hafenbehörde hat zu, Öffnungszeiten gibt es keine , also "amanha" (morgen auf portugiesisch). Zum Geldwechseln geht man hier in den Baumarkt, zeigt seine Euros an der Kasse und erhält dann entsprechende Escudos zum Offiziellen Wechselkurs. Den weiteren Nachmittag verbringen wir bei Armida, einer kleinen Bar. Die sollte eigentlich schon auf haben, hat sie aber nicht, also holt Carlos Wein aus dem Mini Mercado nebenan, organisiert Pappbecher und so warten wir einfach bis Armida kommt. Abends gehen wir zum Fischessen in ein kapverdianisches Restaurant und fallen dann früh in die Kojen.
Der Dienstag vergeht mit Wäsche waschen, mit dem Wäschewasser Bootsputz machen, Gasflasche füllen beim Shell Oil Depot und Einklarieren beim Chef der Hafenbehörde. Das Einklarieren läuft problemlos, die Bootspapiere werden einbehalten, bis wir zum Ausklarieren wiederkommen und 700 Escudos ( 6,40 Euro) bezahlen. Für diese wenigen Vorgänge braucht man den ganzen Tag.
Die Crew der Double Moon möchte abends nochmal essen gehen, wir essen Rührei an Bord und wollen danach ins Internetcafe.
In diesem Internetcafe gibt es zwei Computerplätze und einen Nebenraum in dem eine Fernsehbildwand installiert ist. Heute abend läuft FC. Barcelona gegen Inter Mailand und der Raum ist voll mit jungen Männern. Das Geschrei und Spektakel zeugt jedenfalls von Fußballbegeisterung. Die Internetverbindung ist miserabel. Es reicht nur zum Abrufen der Emails und für einen Logbucheintrag - Bilder lassen sich nicht hochladen.
Inselausflug SalAm Mittwoch zeigt Carlos uns seine Insel. Der Tourismus ist zwar im Kommen, spielt sich aber derzeit nur im Süden der Insel in Santa Maria ab. Dort gibt es den schönen Sandstrand und beste Surferbedingungen. Im gemieteten Minibus fahren wir mit der Crew der "Double Moon" und dem Schweizer Paar von der "Hanu Ita" auf der alten Schotterpiste bis zur Haupstadt Espargos. Carlos erweist sich als geologisch, ornithologisch, politisch und geschichtlich bewanderter Führer. Durch seine Hintergrundinformationen wird Sal sympathisch auf den zweiten Blick, denn optisch hat die Insel nicht viel zu bieten. Steine, Geröll, Staub, kaum Grünes. Die Arbeitslosigkeit liegt bei offiziellen 26%, überall sieht man arbeitslose junge Leute herumsitzen, Chancen auf Ausbildung gibt es nur wenig, die Schulpflicht ist erhöht worden auf sechs Jahre. Erst seit kurzem gibt es weiterführende Schulen. Die Kapverden sind stark von ausländischen Wirtschaftshilfen abhängig. 20% des gesamten BIP wird durch die Überweisungen der im Ausland lebenden Kapverdianer erwirtschaftet. Noch gibt es den Rückhalt in der Großfamilie. Gewohnt wird in winzigen unverputzten Häuschen ( ein Eigentor der Behörden: die Steuern für ein Haus müssen erst bezahlt werden, wenn das Haus fertig verputzt ist - aus diesem Grund bleiben die meisten Häuser unverputzt, was natürlich optisch nicht gerade ansprechend ist!)
kapverdisches RestaurantZum Abschluß unserer Rundfahrt essen wir in einem aus Palettenresten erbauten kapverdischen Restaurant einen leckeren Fisch und sind nachmittags wieder am Hafen. Die Boote sind noch da. Es war starker Schwell am Morgen, wir liegen recht weit draußen und hatten Bedenken das Schiff allein zu lassen. Fritz und Ingrid von der Pico bekommen den Schlüssel und die vertrauensvolle Aufgabe aufzupassen. Die beiden sind seit 17 Jahren unterwegs und geübt im Schiffe retten! Unsere Ankerentlastungsleine ist gerissen und wir beschließen uns weiter hinter die Mole zu legen, um damit dem Auf und Ab in der anlaufenden Welle zu entgehen. Also Anker auf und näher ran, neu einfahren, hält nicht, der nächste Versuch - bei dem wir uns dann ein fremdes Ankergeschirr einfangen! Auch das noch. Ich motore vor und zurück und versuche uns von den anderen Schiffen freizuhalten, Hans versucht unseren Anker von der fremden Kette zu befreien, die wir mit aufgeholt haben - das endet wieder mit Rückenschmerzen. Fritz von der Pico eilt im Schlauchboot zu Hilfe und eine halbe Stunde später liegen wir dann endlich fest. Manchmal denke ich, es vergeht kein Tag, wo nichts passiert!
Armindas BarAbends treffen wir uns noch auf ein Weinchen bei Armidas Bar. Armindas Häuschen ist typisch für die Wohnsituation der meisten Kapverdianer. Draußen stehen zwei große runde Tische, gebaut aus Palettenholz mit zusammengewürfelten Hockern vor einer Betonbank. Der Barraum misst vielleicht 2x4 m und ist bestückt mit einer Theke, auf der ein paar Dosen mit Süßigkeiten und Gebäck, der Wein des Hauses in 5 Liter Tetra Packs und Eier stehen. Hinter der Theke stehen auf zwei Brettern noch einige Spirituosen. Durch einen Vorhang getrennt geht es dann in den eigentlichen Wohnraum der Familie (ca 2x3 m) mit Fernseher und einem wackligen Tisch, von da aus links in einen Schlafraum mit Doppelbett und Nägeln an der Wand für wenige Kleidungsstücke - rechts eine winzige Küche und daneben das "Bad" der Familie - eine Toilette mit Waschbecken, die auch von den Gästen benutzt wird. Einen richtigen Wasseranschluß gibt es nicht. Die Familie holt ihr Wasser an der Wasserzapfstelle im DorfZapfstelle im Dorf und schüttet es auf dem Dach in einen Vorratsbehälter. Aus dem Waschbecken tröpfelt es nur und jeder neue Gast wird angewiesen die Spartaste an der Toilette zu drücken. Der Ort hat keine Kanalisation, jedes Haus hat eine Sickergrube. Die Gläser der Gäste werden nicht für jede neue Bestellung gespült, sondern in einer bestimmten Reihenfolge auf ein Tablett gestellt, so daß jeder sein Glas wieder erhält. Wasser ist hier ein kostbares Gut, aber das kennen wir als Yachties ja auch nicht anders. Ein Glas Wein kostet bei Arminda 0,50 Cent. Ihre Familie besteht aus 8 Personen.
Für Donnerstag hat Karl-Heinz uns zum Essen eingeladen. Dafür fahren wir nach Santa Maria, die Touristenhochburg auf Sal. Karl-Heinz ist vor fünf Jahren einmal hier gewesen und wollte sehen, was sich inzwischen verändert hat. Wir essen in einem sehr schönen Hotel, direkt am Meer, wandern ein bißchen herum und verbringen den Rest des Nachmittags am Strand mit schwimmen und relaxen. Ein schöner Tag und ein leckeres Geburtstagsessen - etwas sonnenverbrannt kehren wir heim.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 28. Oktober 2017 um 22:24 Uhr