www.sy-destiny.de

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Logbuch Kap Verden die nächste Insel - Sao Nicolau

die nächste Insel - Sao Nicolau

E-Mail Drucken PDF

Kapverden Sal - Sao Nicolau  91,4 SM
Dienstag, 27.April 2010

Die nächste Insel ist erreicht. In Sao Nicolau im Hafen von Tarrafal liegen wir vor Anker in Sichtweite zur Double Moon. Hier werden wir noch einmal die Tanks voll machen für die Überfahrt nach Martinique in die Karibik. Laut Aussage von Carlos kann man das am Kai, auf Anfrage beim Hafenchef. Hoffentlich stimmt das auch, sonst müssen wir viel schleppen mit nur 3x5 l Wasserkanistern und 1000 l Wassertank!
Der Abschied aus Sal fiel leicht. Am Freitag sind wir noch bestohlen worden. Im Dinghi fehlte am Tank der Verbindungsschlauch zum Außenborder. Original der gleiche Spezialschlauch war auch den Schweizern von der "Hanu Iti" ein paar Tage vorher entwendet worden und Carlos hatte in der Hauptstadt Espargos einen neuen besorgt. Genau den brauchen wir jetzt auch. Am Samstag bringt unser Fahrer Nice vom Inselausflug das Ersatzteil vorbei. Mal eben 35.- Euro! Sonntags nehmen wir noch am Fischessen an der Cola Bar am Hafen teil. Es gibt Fisch auf kapverdische Art. Etwas gesäuerte Fischstücke, dazu Kartoffeln, Möhren, Kichererbsen und Reis,alles aus einem Topf für 3.- Euro. Leider alles nur noch lauwarm, aber laut Aussage von Carlos isst man hier auch nicht unbedingt heiß. Das ganze Dorf ist auf den Beinen. Vor vielen Häusern gibt es kleine Snacks, Fleischspieße, Popcorn, Schmalzgebäck und undefinierbares. Getanzt wird in der "blauen Bar" und die Musikbeschallung für den ganzen Ort kommt auch von da. Am Strand werden Kleinkinder und Hunde gewaschen, Fußball und Ringfangen gespielt. Laut Fritz und Ingrid von der "Pico", die schon mehrere Wochen hier sind, ist das hier in Palmeira jeden Sonntag so. Montag abend um 18.00 Uhr legen wir gleichzeitig mit der "Double Moon" ab. Eine schöne Nachtfahrt mit 4-5 Windstärken und durchschnittlich 5-7 Knoten Geschwindigkeit. Wir erreichen die Bucht Carracal auf Sao Nicolau zu früh und drehen noch eine Stunde vor der Insel bei, bis es hell wird. Carracal ist ein kleiner Ort, der bis vor kurzem noch keine Straßenanbindung hatte, mit etwa 200 Einwohnern. In der winzigen Bucht treffen sich zwei Ribeiras (Flußläufe) und sorgen für etwas Grün. Leider sind hier heute heftige Fallwinde , so daß wir nach einem kräftigen Frühstück mit Rührei wieder Anker auf gehen und die 25 SM nach Tarrafal weiterlaufen. Schade, den kleinen Ort hätten wir gerne besucht.

Tarrafal, Sao Nicolau  0 SM
Samstag, 1. Mai 2010

Abendrot auf Sao NicolauAuch hier machen wir einen Inselausflug, den der hiesige Stützpunktleiter Henny organisiert. Henny, 76 Jahre alt, ist Holländer und will den Rest seines Lebens auf seiner Lieblingsinsel der Kapverden verbringen. Er hat in seinem Leben bereits viel gemacht - gelernter Fotograf, Flügel restauriert, Pädagogik studiert, Koch gelernt, in der Kinderhilfe gearbeitet, zwei Boote selbst gebaut. Vor 17 Jahren hat er nach einem Besuch mit dem Boot in Sao Nicolau beschlossen, sich hier niederzulassen und in seiner Heimat Utrecht alles verkauft.  Er lebt von seiner staatlichen Rente und führt hier eine kleine Pension mit excellenter Küche. Er hat drei kapverdische Jugendliche ausgebildet zum Koch und Kellner und bietet ihnen damit die Möglichkeit auf einen Ausstieg aus einem ungewissen Leben.
Arbeitsmöglichkeiten gibt es hier so gut wie keine. Die hiesige Thunfischfabrik ist bereits seit vier Monaten geschlossen, da man vergessen hat, Konservendosen rechtzeitig zu ordern. Für viele junge Frauen war das die einzige Arbeitsmöglichkeit für 450.- Escudos ( etwa 4,05 Euro) am Tag!! Dabei ist das Leben hier, da alles importiert werden muß und auch nicht viel angebaut wird, sehr teuer. Ohne die Unterstützung der im Ausland lebenden Kapverdianer würde das Leben hier nicht funktionieren. Es gibt sehr viele wirklich arme Menschen.
Felsformationen bei CarberinhoWir besuchen mit dem Kellner Berndito (ausgebildet von Henny) als Führer zunächst die Felsformationen bei Carberinho. Auf dem offenen Lieferwagen mit Sitzbänken, dem Aluguer, werden wir ordentlich durchgeschüttelt und eingestaubt. Später übernimmt dann Henny die Führung. Wir besuchen die grüne Seite der Insel, den Nationalpark, die Hauptstadt und einige Dörfer. Das Mittagessen, bestehend aus Bohnen, Ziegen- und Hühnerfleisch nehmen wir in einem kapverdischen Restaurant ein. Ein schöner Tag mit vielen Einblicken in das Leben der Einheimischen.
Zum Abschluß genießen wir bei Henny ein excellentes fünf Gänge Menü mit Getränken und Kaffee inclusive für 15.- Euro. Unsere Wäsche wurde in der Zwischenzeit hier gewaschen und getrocknet (pro Maschine 5.- Euro) - duschen dürfen wir auch noch und so sind wir erst nach 22.oo Uhr mit dicken Bäuchen die "Dinghi Boys"wieder an Bord. Unser kleiner Bootsjunge Braendine hat den ganzen Tag auf unser Dinghi aufgepasst und erwartet uns noch am Hafen. Der normale Lohn für die Bootboys liegt bei 50 Cent. Begehrt sind auch Blöcke und Kugelschreiber.  Das Problem ist jedesmal beim Anlanden, daß sehr viele Kinder und Jugendliche angerannt kommen und diesen Job haben möchten.  Ich schreibe mir jedesmal den Namen unseres Jungen auf, so daß dann auch nachher der richtige sein Geld bekommt. Die Strukturen innerhalb dieser Gruppe durchschauen wir nicht, wir haben inzwischen drei Bootboys, die wir immer wieder nehmen.
Heute am Samstag ist auch hier Tag der Arbeit und wir bekommen nicht wie geplant Wasser am Kai, diese Aktion findet nun am Montag statt. Somit bleiben wir einen Tag länger wie geplant. Die Anlandung dort ist sehr schwierig. Anker werfen, rückwärts ranfahren,  Heckleinen an Land geben, festmachen - so soll es ablaufen.
Am Nachmittag wollen wir Henny noch einmal besuchen. Wir können dort den Internetanschluß nutzen und ich hoffe auf eine gute Verbindung um die Fotos hochzuladen.

zu den Bildern April 2010

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 07. Juli 2011 um 14:10 Uhr