Grenada, St George, Ankerplatz
Freitag, 20 August 2010
Das große Ereignis Karneval hat uns wie erwartet nicht unbedingt begeistert. Am Montag sehen wir uns den Umzug auf der Hauptstraße an.
Gruppenweise treten die Akteure an, jeweils begleitet von einem LKW mit riesigen Boxen und entsprechender "Musik". Die Kostüme sind alle ähnlich, nur die Farben variieren. Individuelle Verkleidung, wie wir das aus Deutschland kennen, gibt es nicht. Die überwiegend "strammen Mädels" bewegen sich in einer Art Stampfschritt vorwärts. Etwas unorganisiert der Zug, aber dafür laut, lauter, am lautesten. Jede Menge kleine Buden mit Grill, Getränken und ebenfalls Musik sind entlang der Meile aufgebaut. So ist für jeden etwas dabei und alle haben Spaß. Selbst die ganz Kleinen zeigen schon Bewegungstalent und können mit dem Po wackeln. Wir verziehen uns, bevor wir einen Hörschaden
bekommen, noch auf ein Bier in den Yachtclub. Nachts gegen vier Uhr macht ein heftiger Regen dem Spektakel ein Ende. Es kehrt Ruhe ein auf dem Ankerplatz und unser Herzschlag findet wieder zum normalen Rhythmus. Am Dienstag geht es den ganzen Tag weiter, bis dann irgendwann in der Nacht der letzte Tango getanzt ist.
Lisa und Charly von der "Bomika" haben uns zum Essen eingeladen. Mit dabei die Crew der "Double Moon" und Volker von dem gelben Katamaran, der fast auf dem Strand ankert. Die "Bomikas" sind seit 2007 mit ihren beiden Katzen unterwegs und wollen bald weiter nach Surinam, Brasilien und Chile. Es gibt lecker Kartoffelsalat und Frikadellen, dazu den hier so beliebten Rumpunsch. Super lecker!!! Irgendwo auf der Welt werden wir uns wiedersehen und uns revanchieren mit Spaghetti a la "Hillu".
An Bord der "Salzberg 7" bei Lisa und Heinz waren wir noch zum Sundowner und die beiden am Sonntag zum Kuchenessen bei uns. So geht es hier hin und her mit Besuchen und Gegenbesuchen. Man hilft sich gegenseitig - Dieter von der "Christine" leiht uns seinen Generator, als unserer mal wieder nicht anspringen will und eilt mit dem Schlauchboot herbei, als ein Katamaran uns fast rammt - Heinz besorgt uns von Bekannten günstigen Kaffee und Rum aus Venezuela - Seekarten werden ausgetauscht etc..
Einen Teil der Insel haben wir natürlich auch noch erobert. Für 2,50 Euro fahren wir mit dem MiniBus über die halbe Insel. Durch den Regenwald über kurvenreiche Strecken, eingeklemmt zwischen mehr Passagieren als es Sitze gibt, erreichen wir nach einer "Kamikazefahrt" (Walter wollte schon das Durchschnittsalter der Busfahrer erfragen! ) das Städtchen Grenville an der Ostküste und besichtigen eine Muskatnussfabrik. Leider hat der Hurrikan Ivan im Jahr 2004 den größten Teil der Muskatnußbäume vernichtet, so daß die Produktion um 90 % zurückgegangen ist und von den 106 Angestellten nur noch 10 beschäftigt werden können. Trotzdem wird uns der Vorgang vom Anliefern durch die Bauern bis zum Verschicken recht anschaulich geschildert. Mit ein paar frischen Muskatnüssen verlassen wir die "Nutmeg Station" und bilden uns nach einer weiteren Busfahrt noch einmal weiter in der Kakaofabrik. Ein netter Führer erklärt uns den Vorgang, zeigt uns ein Video und serviert uns zum Abschluß leckeren Schokotee. Zu sehen gibt es auch hier nicht viel, da gerade keine Erntezeit ist. Aber die Anlage ist sehr schön und hat sogar einen kleinen Tierpark mit Ziegen, Schildkröten und Papageien.
Nach soviel Weiterbildung fahren wir an der Ostküste entlang zurück, besuchen noch den Supermarkt und sind dann früh müde.
Die beiden Wandervögel (also Walter und ich) machen sich einen Tag später noch einmal auf zum Naturpark und Kratersee Grand Etang und zu den Wasserfällen St. Margaret. Vom Plateau aus geniessen wir den Blick auf den Regenwald und den Kratersee und wandern den Berg hinunter bis zu den Wasserfällen. Die Ausbeute: ein Baumfrosch, Zikaden, Tausendfüssler, Kolibris, Schmetterlinge, ein ermordeter Hund auf einem einsamen Wanderweg und viele schöne Pflanzen. Der Weg zu den Wasserfällen ist recht anstrengend. Durch die ständigen kurzen Regenschauer ist der Boden aufgeweicht und glitschig. Ein dicke Engländerin kommt uns schmutzig, verschlammt und hochrot entgegen, gibt uns aber begeistert Auskunft, daß der schwierige Weg sich lohnt. Ja, manche Naturschönheiten schützen sich selbst, indem sie sich schwer zugänglich machen.
Ein schöner Tag, der einen leichten Muskelkater hinterläßt.
Morgen am Samstag geht es dann Anker auf zu den Niederländischen Antillen nach Curacao, etwa 450 SM. Einen Zwischenstop legen wir für 2-3 Tage ein auf den Los Roques (Venezuela), einem Naturpark und ausgezeichnetem Schnorchelrevier. Wir erwarten Gäste - Tochter Sonja mit Freundin Claudia kommen uns für drei Wochen im September besuchen. Da wollen wir ja rechtzeitig dasein, damit die beiden nicht im Schlafsack am Strand campieren müssen.
zu den Bildern August 2010
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