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Start Logbuch Panama (Februar 2011 - Mai 2013) Geschenke und Erinnerungen

Geschenke und Erinnerungen

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San Blas, Isla Elefante 0 SM

15. - 30. Juni 2011

Seit der Atlantiküberquerung vor einem Jahr transportieren wir unsere in drei Teile zerrissene Genua auf dem Vorschiff. Immer liegt er im Weg, der grosse Segelsack und inzwischen ist die Umhüllung völlig zerfleddert. Bei unserem ...aus geschenktem SegeltuchAufenthalt in Isla Linton lagen wir neben Segelmacher Roman mit seinem Kat. Der fällt dann endlich das Urteil - zu alt, zu mürbe, Reparaturkosten zu hoch. Zunächst versuchen wir noch aus den Resten ein Sonnensegel über dem Cockpit zu basteln, aber das Segeltuch ist nicht wirklich geeignet. Bei Wind gibt es heftige schlagende Geräusche und so geben wir unsere Nähversuche auf und beschliessen, die Reste zu verschenken.

Die Kunas segeln hier in ihren Einbäumen teilweise mit aus Stoffresten hergestellten Segeln, da gibt es sicher Bedarf. Der Erste, der sich freut,  ist Fischer Conzales. Seit Wochen kommt er mindestens einmal wöchentlich, um sein Handy aufzuladen oder auch mal einen Kanister Wasser abzustauben. Er klettert an Bord, sucht sich aus den Resten etwas heraus und zieht glücklich von dannen. Der nächste ist Fischer Ignaz mit seinem Sohn. Auch der ist begeistert und kommt eine Woche später mit dem fertig genähten Segel zur Vorführung wieder vorbei. Sich zu bedanken für "Regalos" (Geschenke) ist bei den Kunas nicht üblich - das Wort Danke gibt es in ihrer Sprache nicht.

In dem traditionellen Leben war bisher alles gemeinschaftliches Gut - das ändert sich jetzt mit dem zunehmenden Tourismus und für die Kunas, die es sich leisten können sind inzwischen Handys, Flachbildfernseher, Generatoren und Aussenborder zum Prestigeobjekt geworden. In wenigen Jahren wird sich dieses kleine Paradies hier verändert haben und die traditionellen Sitten und Gebräuche zur Touristenshow verkommen. Die Anfänge davon sind längst gemacht. In vielen Hütten ersetzt bereits der Fernseher die Kommunikation und das Leben auf dem Dorfplatz. Die traditionelle Kleidung der Frauen mit müde von der KokosnusserntePerlenbändern an Armen und Füssen und den gestickten Molas auf den Blusen sieht man nur noch bei den Älteren. Die jungen Mädchen tragen Jeans und TShirt Kleider.

Aber noch gibt es dieses Ursprüngliche - die Kuna Indianer, die vom Fischfang und der Kokosnussernte leben - vor allem auf den östlichen Inseln, wo der Tourismus noch nicht verbreitet ist. Das, was wir aus unserer europäischen Sichtweise erleben ist uns teilweise doch sehr fremd, das Leben in den Tag hinein, ohne Zukunftsplanung - aber genau das haben wir gesucht, dieses Urgefühl. Da werden Kindheitserinnerungen wach -  Sonntags im Morgengrauen an der Hand meines Vaters durch den Warsteiner Wald zum Seedansteich. Das Rufen der Vögel, vorbeihuschende Rehe, der feuchte Modergeruch, dann die Wildenten auf dem Teich - das hat damals den Wunsch geweckt,  in einer Blockhütte im Wald zu wohnen. Es ist ein Boot,  unterwegs auf den Weltmeeren draus geworden. Aber auch wir wollen ja nicht die Zeit anhalten und das Rad zurückdrehen, verzichten auf Internet, Handy, GPS  und sonstige Errungenschaften der Technik. Der Kompromiss aus beidem ist für uns der richtige Weg. Manchmal muss man etwas aufgeben, um etwas anderes zu gewinnen!

Bilder Juni sind eingestellt

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 16. Juli 2011 um 17:55 Uhr