Panama, Portobelo 0 SM Pos N 9° 33.40 W 79° 39,64
1. - 29. Februar 2012
Wir kommen rum im Land! Die Busfahrten mit den ausgemusterten amerikanischen ehemaligen Schulbussen sind jedesmal ein Abenteuer. Bunt geschmückt, beklebt und mit Lichtbändern versehen ist jeder Bus ein individuelles Kunstwerk. Die Busfahrer fahren
auf eigene Rechnung, Sicherheitsvorschriften gibt es keine und die Busse werden bis zum letzten Stehplatz vollgequetscht. Gelegentliche Ralleyfahrten sind inclusive! Als Kassierer fahren junge Burschen mit. Die sitzen auf umgedrehten Plastikeimern, halten die Dollarnoten gefaltet zwischen die Finger geklemmt, versehen ihren Job als DJ ( inzwischen haben wir immer die Ohrenstöpsel dabei!! ) und telefonieren können sie auch noch gleichzeitig. Wenn man das Glück hat einen Sitzplatz zu erwischen, bekommt man dann schon mal das Gepäck der Stehenden oder auch Babys auf den Schoss gesetzt. Jede halbe Stunde fährt in unserem Örtchen Portobelo ein Bus ab Richtung Colon an der Küste entlang. Zu unserem Supermarkt Rey in Sabanitas vor Colon sind wir für 1,30 $ eineinhalb Stunden unterwegs. Zwischendurch steigen wir in Maria Chiquita aus und besorgen mal eben Stufen für die Badeleiter. Frisch angefertigt aus Hartholz in einer abenteuerlichen "Muebleria". Uralte Maschinen mit Riemenantrieb stehen kreuz und quer in Bergen von Sägemehl. Etliche Hühner picken in den Holzresten herum und im Hintergrund grunzt in einem provisorischen Verschlag ein Schwein. Die Verständigung klappt auf Spanisch und mit Hilfe des Zollstocks. Unser Auftrag von 5 Stufen a 30 x 5 cm mit 2 cm Höhe wird perfekt ausgeführt. Eine Hohlkehle kann
Schreiner Pedro leider mangels Oberfräse nicht machen, aber da werden wir später in einer kleinen GFK Werkstatt in Portobelo fündig. Wynn leiht uns diesen "Fingervernichter" aus, an Bord der "Elsa" gibt es 110 V und den Dreck können wir auch noch dalassen.
Die nächste Busfahrt führt uns Mädels ( also Birgit und mich ) nach Panama. Nur leider nicht zum Vergnügen, sondern zum Zahnarzt. In eineinhalb Stunden geht es nach Colon, dort steigen wir in den klimatisierten Expressbus nach Panama City ein und sind für 3 $ eine gute Stunde später in der Albrook Mall in der City. Ein Einkaufsparadies...diese Hektik sind wir nicht mehr gewohnt, aber wir haben ja auch keine Zeit uns auf die Wühltische zu stürzen, sondern nehmen uns für 2 $ ein Taxi und sind pünktlich um 14.00 Uhr bei Dr. Rodriguez. Zwei Füllungen und eine Zahnreinigung für 90 $. Mit tauben Backen geht es retour. Umsteigen und Zwischenstop beim Supermarkt in Sabanitas, Zigaretten beim Gemüsestand um die Ecke (10 $ pro Stange) und noch vor Beginn der Dämmerung sind wir völlig geschafft wieder zuhause. Ja, mal eben geht hier nicht...sind alles Tagesausflüge!
In der alten Heimat wird Karneval gefeiert und in Panama Geburtstag. Die Skipperin ist jetzt 56 Jahre alt. Ein besonders schöner
Spruch kam per mail von Freundin Britta aus Leipzig - "Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nicht alt werden." Franz Kafka - mehr gibt es zum Thema älter werden nicht zu sagen!
Rainer und Birgit von der "Elsa" überraschen mich mit einem Geschenk - eine Hängematte. Eine lateinamerikanische Webarbeit, passend zum Boot in rot. Wunderbar liegt es sich jetzt auf dem Vordeck, sanft geschaukelt von Wind und Wellen, werde ich ab sofort ein tägliches "Sundownerstündchen" mit Buch und einem Glas Chardonnay einlegen. Mein Bruder Winni, der uns kurzentschlossen im März besuchen wird, freut sich auch schon aufs "Abhängen bei 30 Grad".
Etliche Freunde sind inzwischen hier eingetroffen. Die "Aleppo" mit Karin und Kurt kommen aus Bocas del Toro. Sieben Monate haben wir uns nicht gesehen, aber jetzt geniessen wir sie wieder...die österreichischen Abende mit Rumpunsch und Kaiserschmarren!! Bei dem Gedanken an Karins Kaiserschmarren läuft mir doch jedesmal das Wasser im Munde zusammen. So lecker!!
Auch Axel auf der "Cassandra" und Janny und Wolfgang auf der "Amiga" wechseln den Standort und kommen zu uns nach Portobelo. Immer wieder schön, die Segelfreunde
nach längerer Zeit in die Arme zu schliessen! Die "Vonnie-T" ist auch aus der Werft zurück.Jetzt haben wir wieder eine schöne Runde in diesem von Amerikanern beherrschten Ankerfeld.
Wir haben unseren Aufenthalt hier für ein Jahr verlängert. Das kostet 193 $ für das sogenannte Cruising Permit, das uns berechtigt uns in Panama und auf den San Blas Inseln zu bewegen. Sozusagen die Jahresmiete!! Es gefällt uns hier, die Bucht ist solange der Nord-Ostpassatwind weht ein angenehmer Ankerplatz, das Leben ist relativ preiswert und so kommen wir mit unserer "Rente" einigermassen über die Runden. Nur teure Marinas wie jetzt zum Jahreswechsel sind nicht vorgesehen...jetzt muss unser geplantes Sonnenverdeck wieder warten. Für Lebensmittel geben wir etwa 270 € im Monat aus, liegen damit also weit unter deutschen Schnitt. Der grösste Kostenfaktor ist das Boot...Reparaturen, Anstriche, Werftaufenthalte, neue Batterien sind fällig und so setzt sich die Liste fort....Fazit: ohne Geld um die Welt - geht nicht!
zu den Bildern Februar 2012
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